Lechler’s Website:

START:                                 

                                    Jugenderinnerungen eines Elektrikers

                                                                 zum Dialekt Frankenhöhe >>>

Ampfrachtaler Gartäfescht- Bloasmusich:“Hinterschi Verschie “   Schnelldorf

 Ampfrachtaler  Gartenfest-Blasmusik: “Rückwärts-Vorwärts”    schnelldorfklein

        11.2.2018

musikanten

 

Jugenderinnerungen eines Elektrikers

                 Inhaltsverzeichnis

1939 -1945 Die Kinderjahre im Krieg.                    

  • Herkunft, Geburt, Stammbaum.
  • Vorschulalter und Bombennächte.
  • Wie mein Vater und Andere vom Krieg nach Hause kamen.

1945 Der Umzug aufs Land, das Kriegsende.

  • 1945 Die Amis kommen.
  • Die Phosphorbombe.
  • Die Flüchtlinge kommen.
  • Leben, Handeln, Hamstern und Tauschen.
  • Die Motorisierung.
  • Der Holzvergaser.
  • Meine Tiere.
  • Lektionen fürs Leben.
  • Kaufen und Schlachten.
  • Universal Werkstoff Zeitungspapier.
  • Wir bohren einen Brunnen.
  • Unser Bad.
  • Mutters Waschtag.
  • Bei der Großmutter.
  • Es geht aufwärts.

 1946 bis 1954 Die Schulzeit.

  • In der Schule.
  • Unsere Spiele. 
  • Wir machen Taschengeld.
  • Winteraktivitäten.
  • Kaugummi und Margarine Bilder, Briefmarken.
  • Lausbubenstreiche.
  • Mein geliebtes Fahrrad.
  • Lernen wie Alkohol und Nikotin wirkt.
  • Helfen auf dem Bauernhof.
  • Lesen, Lesen, Lesen.
  • Der Film kommt.
  • Basteln und Werken.
  • Gemeindearbeit, Nachbarschaftshilfe.

1954-1957 Die Lehrzeit

  • Die Lehrstellensuche.
  • Die erste Lehrlingswoche.
  • Eine Lektion.
  • Beim Schmied.
  • Regenerative Energie damals                                                        
  • Der DKW brennt.
  • Das Bauernvesper.
  • Montagewerkzeuge gestern und heute.
  • Arbeiten auf dem Dach.
  • Mädchen werden interessant.
  • Lohn und Arbeitszeit.
  • In der Berufsschule.
  • Das Fernsehen beginnt.
  • Die Gesellenprüfung in der Irrenanstalt.

Abschlussgedicht: Ach wär ich doch nochmal ein Bub

 

 

Vorwort

Lieber Leser dieser Zeilen, dies sind die Kindheits- und Jugenderinnerungen eines heute 78 Jährigen. Sie umfassen vor allem die Zeit von 1939 bis 1957 also noch vor dem Wirtschaftswunder, manchmal auch etwas später. Ich habe mich bemüht, diese Zeit möglichst plastisch zu beschreiben. Weil diese Zeit eine Kriegs-Not-und Wiederaufbauzeit war, legen Sie bitte nicht die heutigen Maßstäbe an diese Erinnerungen, sondern Maßstäbe der Not, der Bescheidenheit, der Zufriedenheit und des unbeugsamen positiven Willens, die Kriegszerstörungen zu reparieren. Die Lebenseinstellung der Nachkriegszeit, wird deutlich in dem damaligen Schlager: Sei zufrieden...sei zufrieden, mit dir selbst und was du hast”..

https://www.youtube.com/watch?v=qUewx-o-BHg

(nicht verlinkt, kopieren, neues Browserfenster öfffnen, eingeben, enter)

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.

1939-1945, Die Kinderjahre während des Krieges.

Herkunft, Geburt, Stammbaum.

Dass ich 1939 geboren bin, ist bewiesen, den ich bin da, und ich war von Anfang an dabei, im tausendjährigen Reich. Aber der Führer konnte mich für seinen Krieg nicht gebrauchen, denn ich hatte meistens die Windeln voll. Meine Herkunft hat, wie es normal ist, zwei Seiten. Die Väterliche und die Andere, äh mütterliche Seite. Als ich in der Welt ankam, war aber da schon einer im Alter von 4, mein Bruder Emil. Mich nannten sie passend zur damaligen arischen Zeit  “Siegfried”, weil ich zum Sieg helfen sollte. Mein Vater war, wie es damals oft üblich war, ein Universalhandwerker: Automechaniker, Bauschlosser, Heizungsbauer, Klempner und wie viele unserer Landsleute im Süden, ein nicht Hitler Begeisterter. Zur der Zeit seiner Vaterschaft von mir, war er gerade Flugzeugmechaniker beim Messerschmitt in Regensburg an der Donau. Also bin ich von Geburt, ein Oberpfälzer das sind die Leute, mit waldbayerischem Dialekt. Die Herkunft meines Vaters ist ziemlich unklar, weil auch die Herkunft seines Vater der natürlicherweise mein Großvater war, unklar ist. Dieser kam aus dem

Regensburg Herrman Göring Siedlung 1940

Fränkisch-Schwäbischen Raum von Dinkelsbühl, dort ist noch heute das Nest einer großen Lechler Sippe. Dort ist auch die Heimat verschiedener, nach dem 30 jährigen Krieg, angesiedelter Völkerschaften, wie Österreicher, Juden, Jenischer. Deshalb ist unser Fränkisch-Hohenloher Dialekt mit, Jiddischen(Ji), Jenischen(Je) und Tiroler(T) Ausdrücken und Wörtern wie:

 

  • (Ji)Konä = Freund, bekannter Mann
  • (Ji)Ischä = Freundin, bekannte Frau
  • (Ji)Massl = Glück im Unglück
  • (Ji)meschugge = verrückt
  • (T)wollwoll = ja, ja, genau
  • (T)Servus = Servus
  • (T)walie = schnell
  • (Je)Beiz = Gasthaus
  • (Je)Kolbä = Nase
  • (Je)Kaff = kleines Dorf.

durchsetzt.

 Da mein Großvater nach Jenischer Art ein fahrender Händler war, er hatte einen Schimmel und einem Verkaufswagen mit Plane, war er wohl ein “Jenischer”. Meine Schwester hat herausgefunden, dass er die jüdische Gemeinde in Michelbach/Lücke besuchte. Seine Herkunft ist aber klar, er stammte aus dem teils jenischen Fichtenau. Also sind meine Wurzeln, väterlicherseits Jenisch-Keltischen Ursprungs.  Wohingegen die Vorfahren mütterlicherseits klar sind. Diese waren reformierte Österreicher, die die nach dem 30jährigen Krieg keinesfalls katholisch umgepolt werden wollten und deshalb ins preußische Mittelfranken flohen. Dort hat es mein Großvater zu einem kleinen Bauernhof gebracht, deshalb steckt in mir auch Tiroler Blut: Holadio Juhuu”.

            Adresse kopieren, neues Browserfenster öffnen, eingeben, enter

  • Adresse zu Regensburg:        de.wikipedia.org/wiki/Regensburg
  • Adresse zu Jenische:              www.jenische.info/
  • Adresse zu Exulanten nach Franken:   www.gf-franken.de/publik_frm.html    
  • Adresse zu Messerschmitt:     de.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_GmbH
  • Adresse zum Fränkisch hohenloher Dialekt: de.wikipedia.org/wiki/Hohenlohisch

Literatur zu Jenische: ”Das sind Jenische” von Jakob Kronenwetter; Eigenverlag.

 

Vorschulalter und Bombennächte.

An meine Geburt, kann ich mich keinesfalls erinnern. Erst ab dem 3. Lebensjahr hat mein Hirnspeicher angefangen zu funktionieren. Man hat mir allerdings erzählt, dass es sehr schwer war, mich aufzuziehen, den durch des Führers heiligen Krieg, gab es zeitweise in der Stadt Regensburg keine Milch und andere Leckerbissen für Babys. Meine Mutter war mit uns Kindern ganz allein, denn mein Vater war als Soldatenmechaniker in einer fahrenden Reparaturwerkstatt für defekte Kriegsfahrzeuge im Krieg. Manchmal, hat er uns etwas geschickt, was er in seinem Werkstattauto nebenbei für uns basteln konnte. An das Mehrfamilienhaus, in dem wir wohnten, kann ich mich noch gut erringen, denn eines Tages kamen eine Menge Leute und haben das helle weiße Gebaute ekelhaft braungrün angemalt. Neben das Kellerfenster haben sie große Buchstaben gemalt, erst später als ich lesen konnte, lernte ich, es waren die Buchstaben : “LSB”. LSB hatte aber nicht die heutige elektronische Bedeutung: “LSB=Last Significant Bit”, sondern kriegsgemäß: LSB=Luft-Schutz-Bunker. Man hat diese Malerei wegen des alliierten Luftkrieges gemacht, der immer wieder über der Stadt begann, denn der “Feind” wollte ja des Führers Luftwaffenschmiede “Messerschmitt”, in der mein Vater arbeitete, zerstören. Damit deren Bomber unsere Häuser nicht finden sollten, musste man immer alle Lichter ausmachen. Aber die Bomben für Messerschmitt fielen Großteils auf Wohnhäuser, und das, obwohl nur noch Frauen und Kinder dort wohnten, und obwohl ich bestimmt nicht Parteimitglied war. Würde man die heutigen Maßstäbe anlegen, hätten die Alliierten auch angeklagt werden müssen, aber der Adolf hat ja mit dieser Kriegsseuche angefangen. Auf der anderen Seite, wären die Nazis schnell zusammengebrochen ohne Zivilistenleid, wenn die Alliierten die deutschen Stromfernleitungen gezielt bombardiert hätten. Wenn die Sirenen heulten, rannten wir, meine Mutter, mein Bruder und ich, mein Vater half damals vor Kiew die Russen zu besiegen, jede Nacht in den LSB, wir saßen da, und die Häuser wackelten. Glücklicherweise haben diese Zivilisten und Kindermörder, unser Haus nicht getroffen. Ich erinnere mich, dass eines Nachts durch den Luftdruck die Kamintüre aufsprang, und der ganze Ruß meinem Bruder auf den Nacken fiel, das hat mächtig gestaubt. Den rasenden Ton der Bomberluftschrauben, habe ich heute immer noch im Ohr. Ich glaube diesen Ton bringt man nie mehr los. Eines Nachts traten wir vor das Haus, und sahen die ganze Stadt lichterloh brennend im rotgelben Feuerschein. Vor unserem Haus waren sehr große Bombentrichter und alle Nachbarhauser waren halb zerstört.

Link zu Bomben auf Messerschmitt

 

Wie mein Vater und andere vom Krieg nach Hause kamen.

Was kaum einen Soldaten gelungen ist, hat mein Vater durch seine “Schweygsche” Pfiffigkeit fertig gebracht, denn er kam vorzeitig vom Russlandkrieg nach Hause. Er hat es uns so erzählt: “Eigentlich war ich beim Nachschub und war ganz hinten, ungefährlich weit weg von der Front, ich hatte normale Arbeit in der Reparaturstelle, doch plötzlich hieß es : Verlegung der ganzen Einheit nach vorne an die Front. Das hat mir gar nicht gefallen, und dachte: Da vorne bist du ganz schnell Tod. Also habe ich  meinen LKW zum Stottern getrimmt. Da hat man mich samt LKW erstmal zurückgeschickt. Wieder zurück, sagte ich zum hitlertreuen Offizier: Eigentlich bin ich hier gar nicht am richtigen Platz, denn ich bin Flugzeugmechaniker und könnte bei Messerschmitt viel mehr für den Führer tun als hier, denn wir bauen gerade ein neues Flugzeug für den Sieg. Und wirklich schon nach kurzer Zeit, schickten sie mich zurück zum Fliegerbau. Das war mein großes Glück, denn ich kam nicht in Gefangenschaft und hatte nicht die schwierige Kriegsendeflucht nach Hause.” So kam es, das mein Vater vor Kriegsende schon zu Hause war. In dieser Zeit kann ich mich noch an einen Familien-Fahradausflug erinnern. Vater und Mutter hatten je einen Sessel auf dem Rücksitz montiert, worauf wir Kinder saßen. So fuhren wir an die Donau, das weiß ich noch ganz genau, weil ich Kieselsteine über den Fluss flitzen lies. Auf der Heimfahrt ist es dann passiert, mein Bruder gammelte mit den Füßen rum, und brachte die Zehen in die Speichen des Rades. Mit seinem blutenden Zeh, fuhren wir dann nach Hause. Mit der Arbeit meines Vaters beim Messerschmitt war bald ganz Schluss denn das Werk wurde durch den Krieg total zerstört.

1945 Der Umzug aufs Land, das Kriegsende.

Da das Mehrfamilienhaus mit unserer Wohnung in Regensburg das einzige Haus war , das noch stand, rings herum waren nur Ruinen, auf der Straße war ein Bombentrichter neben dem anderen, traf mein Vater die Endscheidung, wir ziehen zurück aufs Land, ins heimatliche Mittelfranken, zurück auf die Frankenhöhe, ins elterliche Haus. Wie mein Vater diesen Umzug organisierte und wie der Umzugslastwagen schließlich zwischen den Bombentrichtern fahren konnte, habe ich nicht mitgekriegt, aber heute finde ich das als eine große Leistung. Nun wohnten wir bei Großvater und Großmutter. Die hatten ein Haus mit Scheune, Stall, Werkstatt und Lagerraum, umgeben mit 5000qm Wiese und Garten. Mein Großvater war ein fahrender Händler mit Wagen und einem Pferd. An das Pferd kann ich mich noch gut erinnern, es war ein etwas kleiner Schimmel. Im Stall waren Ziegen, mit denen ich spielte. Aber die Landidylle trügte, denn es war immer noch Krieg und die Amis rückten schon von Stuttgart her vor. Die Nachbarstadt Crailsheim, ein Eisenbahnknotenpunkt    Der Lausbub

wurde total zerbombt.

                   

                   Adresse kopieren, neues Browserfenster öffnen, eingeben, enter

  • Adresse zu Schnelldorf auf der Frankenhöhe: 
  • www.schnelldorf.de/index.php/home-gs/geschichte
  • Adresse zu Crailsheim zerstört: de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_Crailsheim
  • Adresse zu Endverbrechen in Brettheim:
  • https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4nner_von_Brettheim

 

 

1945 Die Amis kommen.

Auch die Lok eines Versorgungszuges der Wehrmacht wurde ausgebombt. Dieser Zug stand nun mit zerstörter Lok, bei uns auf dem Bahngeleisen. Das Kriegsende stand unmittelbar bevor und bevor der Zug total abbrannte, haben es etliche Dorfbewohner geschafft, einige Sachen aus dem Zug zu retten. Viele Dorfbewohner sind dann 10 Jahre lang mit Hosen aus braunem Wehrmachtsstoff herumgelaufen. Manche hatten auch dicken weißgrauen Wehrmachtsschokolade, zu essen. Die Amis rückten immer weiter vor, und die Wehrmacht floh, aber nicht ohne jeden, der den Amis die weiße Fahne zeigte, zu erschießen, denn für die Nazis, war der Endsieg sicher. Solches, hat sich im Nachbarort Brettheim zugetragen, wo sie kurzerhand 4 Bürger erschossen hatten, die das Dorf den Amis übergeben wollten. Warum die Verantwortlichen von damals, später freigesprochen wurden, versteh ich, und viele andere, auch nicht. Bei uns hatten die Hitlertreuen die Verbindungsstraße zu diesem Ort mit einer Panzersperre geblockt. Das hat mich neugierig gemacht und mutig bin ich dann als 5 jähriger Bub, ganz alleine, die 3 km zu dieser Sperre gelaufen um zu sehen, was das eigentlich ist, eine Panzersperre. Die Sperre waren schwere Baumstämme, die quer über die Straße gelegt, und zu einer Mauer aufgeschlichtet waren. Einige Tage darauf, als die Amis kamen, haben die ein paarmal da reingeschossen und weg war das Ding. Da sieht man, wie hilflos die Wehrmacht zu dieser Zeit schon kämpfte, es war ein letztes Aufzucken. Ich kann mich auch noch an den Kriegswald erinnern, überall standen zerschossene und zerfetzte Bäume im Wald. Die Amis haben für Radarzwecke auf die ganze Gegend Stanniolstreifen gestreut. Nach Kriegsende, haben wir diese Streifen und Zigarettenpapier als Altmetall gesammelt und damit so manche Reichsmark verdient. Unser Dorf wurde von den Amis schnell eingenommen, aber mein Großvater und mein Onkel verloren dabei ihr Leben. Die ganze Familie war an diesem Tag zur Sicherheit in unserem Felsenkeller, direkt am Ortseingang, untergebracht, da rückten die Amis ins Dorf. Opa und Onkel waren aber neugierig und wollten sehen, wie die Amis kommen. Sie öffneten die in den Berg führende Kellertüre einen Spalt und spickelten hinaus. Die hereinfahrenden Amis dachten da wären deutsche Soldaten und hielten Ihr MG auf die Kellertüre. So wurden mein Großvater und mein Onkel unnötigerweise erschossen. Die ankommenden Amis habe ich in schlechter Erinnerung, denn sie setzten sich für  einige Tage im Haus fest und wir mussten in der Scheune schlafen, während die Soldaten im Eingangsflur auf dem Steinfußboden ein Feuer machten und die Eier, die sie aus dem Hühnerstall geklaut hatten, brieten. Dann kamen sie in endlosen Kolonnen von Panzern. Manche Soldaten warfen Schokolade zu den Kindern hinunter. Danach gab es jedes Jahr große Kriegsmanöver bei uns im Wald und wir Dorfkinder rannten hinter den Amis her. Ein Jahr nach Kriegsende , habe ich aus Gesprächen meines Vaters mitbekommen, dass er entnazifiziert wird und dabei einige Probleme hat, denn man hatte ihn zuerst als Nutznießer der NSDAP eingestuft. Aber schließlich wurde er davon befreit.

Die Brandbombe.

Etwa eine Woche nachdem die Amis unser Dorf eingenommen hatten wäre ich fast zu Tode verbrannt, wenn nicht die Umstände dies verhindert hätten. Also, ich befand mich gerade auf dem Bauernhof meines Großvaters mütterlicherseits. Wir, zwei Buben 5 und 10 Jahre alt, spielten hinter dem Hause auf einer Wiese. Auf der Nachbarwiese, weideten gerade Nachbars 5 Kühe. Da fand mein Kumpel eine amerikanische Phosphorbombe, die unberührt war und nicht gezündet hatte. Das war ein eckiges Aluminium Ding etwa 25cm lang. Mein Kumpel wollte diese Bombe unbedingt zünden. Ich hatte keine Ahnung und wusste gar nicht, was er da machte. Er warf die Bombe auf einen   Granitgrenzstein, um sie loszulassen. Ich stellte mich in meiner kindlichen Dummheit  Brandbombe   gerade neben den Grenzstein, um zu sehen was passiert. Und die Bombe ging los. Ein riesiger Feuerstrahl raste auf die Nachbarwiese zu und verbrannte alle Kühe. Die Kühe musste man dann notschlachten, obwohl ich unmittelbar an der Bombe stand, blieb ich völlig unversehrt. Das ganze Feuer und die Explosion raste wie durch ein Wunder von mir weg auf die andere Seite. Ich war so kindlich naiv, dass mich das Ganze gar nicht aufgeregt hat. Erst später als die Erwachsenen über dieses Ereignis redeten, habe ich verstanden, das ich davon gekommen bin. Da waren meine Mutter und ich froh. Viel später erst, habe ich gefragt, ob es Schutzengel gibt, denn ähnliche Geschichten haben sich später in meinem Leben in sehr ähnlicher Form wiederholt. Hier ist eine davon: Es war die Zeit des kalten Krieges, als die Raketenstellungen der Amis in Mutlangen bestreikt wurden. Erinnern Sie sich an 1981? Nicht nur in Mutlangen waren fahrbahre Fernraketen installiert nein auch im Wald hinter dem kleinen Dorf im schwäbischen Wald, wo meine Frau und ich ein Häusle gebaut haben. Wir waren beide zur Arbeit , als die Amis neue Raketen bei uns aufstellen wollten. Dazu muss man wissen das die Straße zu unserem Dorf auf etwa 6km eine Steigung von 10-15 % hat. Genau da hoch, fuhr ein dicker Ami-Lkw mit seiner Fernstreckenrakete. Was jeder alte Lkw noch schafft, der Ami-Raketen-LKW schaffte es nicht, weil er ein Benziner war. Er lief heiß und brannte völlig aus. Das wäre weiter kein Problem gewesen, den unsere Siedlung war noch 1km östlich davon entfernt. Aber es brannte nicht nur der LKW, sondern die Fernrakete entzündete sich und brannte aus, glücklicherweise, entschied sie sich, nicht zu den Russen nach Osten zu fliegen sondern auf geheimnisvolle Weise zündete sie eine Obstwiese an. Unsere Siedlung blieb verschont. Wiedermal Glück gehabt?

                  Adresse kopieren, neues Browserfenster öffnen, eingeben, enter

  • Adresse zum Endnazifizierungsgesetz: 
  • www.verfassungen.de/de/bw/wuertt-b-befreiungsgesetz46.htm
  • Adresse zu Brandbomben: de.wikipedia.org/wiki/Brandbombe

 

Die Flüchtlinge kommen.

Gleich nach dem Krieg und noch ein paar Jahre danach kamen die Flüchtlinge aus dem Osten zu            uns ins Dorf. Sie kamen aus Ungarn, aus Schlesien, aus Ostpreußen und der dem Sudetenland und         Litauen zu uns. Wie und wann sie alle kamen, weiß ich leider nicht, aber es waren viele, ich schätze das infolge des Flüchtlingsstromes die Einwohnerzahl unseres Dorfes um etwa 60% anstieg. Auch bei uns wurde eine Flüchtlingsfrau aus Schlesien ins Haus eingewiesen. Mein Vater kam mit Ihr aber nicht zurecht, er meinte:

“Diea schwätzt mer z’schnell, diea verstäh i nit”. (“Diese Frau redet wie ein Buch, die kann ich nicht verstehen.” ) Darauf hin, hat uns der Bürgermeister eine Familie aus dem Egerland eingewiesen. Die lebten dann für zwei Jahre bei, uns, bis sie eine richtige Wohnung fanden. Heute redet man viel über Integration von Zuwanderern, damals, hat man nicht soviel geredet, sondern schnell gehandelt. Nehmen wir als Beispiel mal die ungarndeutschen Flüchtlinge, kaum waren sie 2 Jahre da, haben sie schon wieder neue Häuser gebaut, meistens in Eigenleistung mit der Hilfe von ganzen Gruppen ungarndeutscher Helfer. Mancher Sudetendeutscher hat bald ein Geschäft aufgemacht, oder die Egerländer, die fand man bald im Gasthaus beim Kartenspielen mit den Einwohnern, damit waren sie schon integriert, denn sie spielten den gleichen Schafskopf (Tarock) wie wir. Von den Egerländern, habe ich damals das  Pilzesammeln, und -kennen, gelernt. Viele Egerländer, haben sich in der ersten Notzeit mit Pilzesammeln und trocknen im Sommer, für die Winterzeit,  über Wasser gehalten. Da haben sie oft  ”Schwammasoss und Knidel” (“Pilzsosse mit Knödel”)

gegessen. Heute gibt es dieses “Flüchtligs-Gericht” in jedem besseren Lokal. Alle Flüchtlinge bekamen von der Gemeinde ein Stück Garten zugewiesen, was in der schlechten Nachkriegszeit sehr wichtig war. In dieser Gartensache, kann ich mich noch genau erinnern, wie einer meiner Schulfreunde, ein Egerländer, sich einen kleinen zweirädrigen Karren gebaut hat, um auf der Straße den Mist, den Pferde und Kühe dort hinterlassen hatten, für seinen Garten zu sammeln, um ihn damit zu düngen. Bald haben auch die Egerländer notgedrungen die neue Heimat akzeptiert und sich eine Siedlung gebaut. Diese Siedlung erhielt bald darauf den Spitznamen “Schmetterburg”, (Haus in dem häüfig Schnaps gesoffen wird) weil dort so mancher Schnaps getrunken wurde. Die Sudetendeutschen haben bei Ihren Beerdigungen als Abschiedslied immer Ihr Lied gesungen:

A’s is Feierobmd, A’s is Feierobnd. Es Togwark is fullbracht. A’s gieht alles seiner Haamit zu, ganz sachte schleicht die Nacht.” (“Es ist Feierabend, es ist Feierabend, die Arbeit ist getan. Alle gehn nach Hause, ganz leise kommt die Nacht.”)

https://www.youtube.com/watch?v=0fHa2mltTCE

(nicht velinkt, kopieren, neues Browserfenster öffnen, eingeben, enter)

Bald hat sich dieser Brauch an vielen Beerdigungen im Dorf allgemein eingebürgert. Man erkennt daran, dass das Unglück der Vertreibung auch das Gute der Bereicherung Restdeutschlands  mit sich brachte. So ernst die Vertreibung auch war , der Humor ist den Menschen trotzdem nicht vergangen, ich erinnere mich noch an Folgendes :

Ein schlesischer Flüchtling kommt zum Amt wegen Unterstützung, auf die Frage was er den in seiner Heimat besessen habe, sagt er: “ Mir hama dahma gehatt drei Zimma Kicha unna Bad.(“Wir hatten zu Hause in Schlesien, drei Zimmer mit Küche und Bad.”)

Auf die gleiche Frage antwortet der Ungarndeutsche: “Mir han Heiser gehoht un Schlösser han mir gehoht, an jedr Tir ans.(“Wir hatten in Ungarn viele Häuser und Schlösser, an jeder Tür eines.”)

Bei den Einheimischen ging bald aus Neid folgender Witz um:

  • Wie nennt man einen der ein Haus hat? Antwort: Hausbesitzer.
  • Wie nennt man einen der ein Auto hat? Antwort: Autobesitzer.
  • Wie nennt man einen der ein Haus und ein Auto hat? Antwort: Flüchtling.

Für viele Soldaten, war das “nach Hause kommen” ein schweres Problem, doch manche hatten Glück. Mein Schwiegervater erzählte, dass er als Gefangener der Amis (PW= Prisoner of war) in einem gefangenen Sammeltransport aus dem Osten, quer durch Deutschland in ein Lager transportiert wurde. Dabei fuhr der Zug geradewegs an seinem Heimatort vorbei. Da sagte einer der Gefangenen, der englisch konnte zu dem bewachenden Colonel:” Wir wohnen hier, lass uns doch aussteigen“. Und kaum zu glauben, er lies den Zug anhalten und sie stiegen aus und waren zu Hause. Ein anderer Bekannter erzählte uns: “Wir waren bei  Kriegsende im Kaukasus und mussten, um nicht in Gefangenschaft zu geraden, vor den Russen fliehen, da sind wir tagelang nach Österreich gelaufen, gelaufen, gelaufen, bis uns das Blut in den Schuhen stand.” Es dauerte bis 1955 bis Dank Adenauers Verhandlungsgeschick, die letzten Kriegsgefangenen aus Russland zurückkommen konnten.

Link  zu Adenauer in Moskau

 

Leben, Handeln, Hamstern und Tauschen.

Da wir auf dem Lande lebten und der andere Großvater einen Bauernhof hatte, war die Grundversorgung mit Lebensmitteln gesichert. Mein Vater der Tausendsassa schaffte es, hervorragend die Familie zu versorgen, denn er betrieb das Handelsgeschäft meines Großvaters weiter. Allerdings, war das Handelsgeschäft nun ein Hamstergeschäft. Er fuhr übers Land zu den Bauern und tauschte dies und jenes, was wir so brauchten. Ich erinnere mich noch, dass er eines Tages eine Schultafel und dazu ein ganzes Paket Griffel mitbrachte, den ich musste, bald zur Schule. Ich erinnere mich auch noch, dass er einen ganzen Sack Zucker, etwa 20kg, heimbrachte. Der stand dann in der Speisekammer. Heimlich habe ich ein Loch in den Zuckersack reingemacht, den Süßes gab’s ja nicht, und habe ab und zu etwas Zucker genascht. Bis meine Mutter dies bemerkte und dann gab's, so wie es damals üblich war, ein paar Ohrfeigen.

Die Motorisierung.

Zuerst fuhr mein Vater mit einem alten DKW-Motorrad übers Land. Das war die Maschine, von der es heißt: “DKW das kleine Wunder, fährt den Berg rauf, kommt nicht mehr runter.” Genau das ist uns passiert, als wir mit der DKW zum Eichelsammeln fuhren, denn wir hatten eine Sau im Stall und die braucht Futter und sie mochte Eicheln. Wir sammelten also einen Sack voll Eicheln im 8Km entfernten Eichwald und wollten nach Hause fahren. Aber unsere DKW wollte nicht. Also schob mein Vater die Karre mit dem Sack Eicheln auf dem Rücksitz und ich lief hinterher. Wir sammelten nicht nur Eicheln, sondern auch viel Bucheckern, aus der wir in einer Mühle Öl pressen liesen. Der Wald war überhaupt eine Versorgungs Hilfsquelle und er war leer gefegt den Alles sammelte Äste, und ich sammelte säckeweise Fichtenzapfen zum Anfeuern. Autos gab es in unserer Gegend damals kaum, auch der Müller kam noch mit dem Pferdewagen, um sein Mehl auszufahren. Unser Nachbar hatte eine “Spedition”, er fuhr mit zwei Kaltblüterpferden Langholz aus dem Wald ins Sägewerk. Das habe ich oft beobachtet, da es beim Bergabfahren sehr brenzlig wurde. Von hinten schob der Wagen mit seinen 15 Meter langen Stämmen, stark auf die Pferde und deshalb war das Fuhrwerk immer mit zwei Mann unterwegs, einer vorne für die Pferde und der andere hinten, als Bremser. Ansonsten, hatte unser Dorf einen Bahnhof und damals hielten dort mehr Züge als heute, denn viele Arbeiter fuhren jeden Tag morgens mit dem um 6 Uhr zur Arbeit und kamen mit dem Zug um 19 Uhr wieder nach Hause, um dann noch  5 km zu Fuß zu laufen, denn alle waren gut zu Fuß. An vielen Sonntagnachmittagen haben viele Dorfbewohner zu Fuß einen Ausflug in bestimmte Walddörfer der Nachbarschaft gemacht, dann anständig gevespert um danach wider eine Stunde nach Hause zu laufen. Damals war man gut u Fuß. Schulbusse gab es nicht, so manche Kinder mussten bis zu einer Stunde zur Schule laufen. Weit Laufen war selbstverständlich und deswegen hat auch niemand gejammert. Ich glaube, dass wir heutzutage in dieser Beziehung verzärtelt sind. Die Züge waren damals rußig klapprig, alt und die Schienen nicht verschweißt, also rumpelte es ständig beim fahren. ”Dadam..Dadam..Dadam..Dadam..Dadam.. “ Ich erinnere mich, dass bis in die sechziger Jahre ein wirklich uraltes Dampfzügelchen fauchend und zischend, wackelnd vom Nachbarort Dombühl nach Rothenburg /Tauber zockelte. Wenn man mit dem Zug fuhr, war es sehr gefährlich das Fenster zu öffnen, um hinauszusehen, den die Rußpartikel der Lok flogen einem ins Auge.

Der Holzvergaser.

Diese magere Zeit hat nur überlebt, wer findig war. Findig war auch Herr Grundig, der aus Wehrmachtsresten den ersten Nachkriegsradio, den, “Heinzelman”, herstellen lies. Unser Wiederaufbau und Wirtschaftswunder wäre nie zustande gekommen ohne die Findigkeit des ganzen Volkes.  So fuhr mein Vater nicht mehr mit dem Pferdchen übers Land, sondern mit einem Daimler Baujahr 1920. Der stand nämlich verrostet im alten Betriebsgebäude des Sägewerks. Aber wie kam er da ran? Weiß ich nicht. Wahrscheinlich gehamstert und getauscht. Gehamstert und getauscht hat er auch Werkzeug, Schweißapparat, Rohre und Kessel. Für was er die brauchte? Er baute den alten Daimler in ein Lastwägelchen um, baute eine Pritsche, einen Ofen mit Kessel und vielen Röhren drauf und fertig war der Holzvergaserhamsterlastwagen. (Hvg-LKW), wer weiß eigentlich heute noch, wie ein Holzvergaser funktioniert? Der wurde natürlich mit Holz geheizt, Abfallholz vom Sägewerk. Dazu wurden die Schwarten, der Anfangsschnitt beim Brettersägen, zersägt und in ganz kleine Stückchen zerhackt. Aber wie kriegten wir das hin? Mein Vater konnte alles, er erhamsterte ein Elektromotor und baute eine Kreissäge. Damit begann die Autoenergieversorgung 1947. Ich reichte Vater die 1m langen Schwarten, er sägte 10 cm breite Stücke ab. Nun kam Großmutter ins Spiel, sie hatte ein Beilmesser (Schnaber) damit hackte sie alles in kleine Würfelstücke, die kamen in einen Sack und aufs Auto. Nun ging's los, wir fuhren mit 40 Sachen übers Land, und ich war der Heizer. Dazu schüttelte ich von Zeit zu Zeit die Asche aus dem “Brenner”, stieg auf die Pritsche und füllte Brennholz nach. Machmal machten wir auch Pause, organisierten uns beim Metzger ein paar “Wurschtwecken”, (“mit Wurst belegtes Brötchen”) setzten uns an den Straßenrand und machten Brotzeit. Dies spielte sich alles auf reinen Schotterstraßen ab, den asphaltiert waren damals nur die Bundesstraßen. Man sieht hier, wie die Wirtschaft nach dem Krieg durch Pfiffigkeit, Fleiß und Schlauheit wieder in Gang kam.

Meine Tiere.

Eines Tages waren wir in einem Dorf hinter Ansbach und wir luden unseren Holzvergaser bei einem Kunden ab. Die Tochter des Kunden half dabei und dann ist es geschehen, ich habe mich zum ersten Mal verliebt. Irma hieß das Mädchen, aber das verliebt sein war schon nach 1 Woche vorbei. Mein Interesse war zu der Zeit mehr bei unseren Tieren als bei Mädchen. Wir hatten Ziegen, Hühner und Enten und Stallhasen. Die Enten waren meine Favoriten, die musste ich füttern und hüten. Ich erinnere mich, eines Tages führte ich sie zu einem 1 km entfernt gelegenen Teich. Ich redetet immer mit meinen Enten und sie hörten auf mich. Ich lief vorneweg, dann kam der Schlicker und die Enten folgten im Gänsemarsch. Der Teich war für sie das Enten Paradies, das sie nicht mehr verlassen wollten. Denn nach einigen Stunden wollte ich mit Ihnen wieder nach Hause. Aber sie folgten nicht auf mein Rufen, endlich nach einer halben Stunde waren sie zum Heimmarsch im Gänsemarsch bereit. “Quak, Quak, Quak.....” Für die Stallhasen waren wir beide mein Bruder und ich zuständig. Die mussten wir regelmäßig misten, und Hasenmist kann bestialisch stinken. Ich hatte einen Lieblingshasen den nannte ich “Christian”, für den sammelte ich immer Löwenzahn und Hasenscharte. Aber die Hasen waren zur Familienversorgung unbedingt notwendig, und so wurde mein Christian trotz heftigsten Protesten geschlachtet und verspeist, aber ich as davon nichts. Manchmal war ich auch beim Jungen von nebenan, der immer in den Sommerferien kam. Dieser Junge wollte Tauben züchten. Aber wir verstanden davon nichts. So gingen wir eines Tages, zum Taubenhändler am anderen Ende des Dorfes. Wir kauften da zwei schöne junge Tauben, eine rote “Strasser” und eine andere “weiße” Taube. Der Nachbar sperrte die Tauben zuerst in einen Verschlag, um sie danach freizulassen. Aber was er auch tat, die Tauben kehrten immer wieder zum Taubenhändler zurück. Da hatten wir bald genug vom Taubenzüchten und dachten:” So ein Geschäft wie der Taubenzüchter müsste man haben, wo die Ware immer wieder zurückkehrt.”

Lektionen fürs Leben.

Auch unser Gockel sollte eines Tages geschlachtet werden, also hat ihn mein Vater gefangen und mit dem Kopf auf einen Hackstock gelegt, und ”peng” mit dem Beil geköpft. Da der alte Hahn sich aber wehrte und mit den Flügeln wild um sich schlug, das würde ja jeder, wenn sein Kopf auf den Hackstock gelegt würde, entkam er und rannte wild blutend ohne Kopf durch den Garten. Dieses Bild habe ich mein ganzes Leben nicht vergessen und es hat mir gezeigt, dass ein Lebewesen erst dann wirklich Tod ist, solange noch Blut im Körper ist, sogar ohne Kopf und ohne Hirn. Eines Tages, stand unser Hühnerstall meinem Vater im Weg, und er sollte versetzt werden. Aber das Ding war sehr schwer. Wir hatten zu der Zeit einen starken Arbeiter der packte den ganzen Hühnerstall, um ihn mit “Hau-Ruck” wegzutragen. Da hat ihn mein Vater ausgelacht: “Was plagscht du dich denn so, rießich is des Schlossers Kraft, wann er mit Verlängrung schafft.” (“Was plagst du dich denn so, riesig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit Verlängerung schafft”) Dann holte er ein paar Rundhölzer aus dem Schuppen, mit einem hebelte er den ganzen Stall hoch um dann legte er die anderen Rundhölzer unter den Stall. Dann schob er den ganzen Stall mit der linken Hand vor sich her, steckte dabei demonstrativ die Rechte in die Hosentasche:” Sigsch so leicht geäht des.(“Siehst du, wie leicht das auf diese Weise geht.”) Für mich als Bub war das eine Lektion fürs ganze Leben die besagt: ”Nur nicht unnötig plagen, wenn es mit kluger Überlegung leichter geht.”

Die Schwester wird geboren.

Kaum waren die Menschen aus dem Gröbsten heraus, da gab's auch schon wieder Geburten. Denn die Pille gab es nicht und des Nachts war sonst nichts los. Mir hat der Storch eine Schwester gebracht, auf die habe ich immer aufgepasst. Bis Sie ihre eigenen Wege ging.

Kaufen und Schlachten.

Unsere Sau war bald fett, und sollte geschlachtet werden, aber das war damals verboten. Also wurde wie allgemein üblich, des Nachts “schwarz” geschlachtet. Im Dorf lebte ein ausgebombter Metzger aus Nürnberg, der kam des Nachts und hat die Sau gemetzelt. Ich war auch dabei, denn ich musste mit der Lampe leuchten. Da gab's dann Kesselspeck, Blut und Leberwurst und Fleisch zum Räuchern für Schinken. Vom Kesselspeck war mir schlecht, wenn er im Kessel kochte, verlies ich die Küche. Bis heute kann ich diesen Geruch nicht leiden. Unsere Dorfmolkerei war auch in der schlechten Zeit immer im Betrieb. Die Bauern stellten Kannen mit Kuhmilch auf die Straße und ein Sammelwagen holte sie ab. Die Bezahlung erfolgte dann in Butter. Die Molke konnte jedermann kostenlos abholen. Ich hatte ein kleines Wägelchen und eine Milchkanne, damit musste ich immer wieder Molke für die Schweine holen. Für unsere Versorgung war es natürlich ein Glückszustand das mein Vetter in der Molkerei als Molker arbeitet und so gab es für uns so manches Stück Butter zu kaufen. Auch in unseren drei Edeka-Dorflädchen, konnten wir so manches kaufen. Ich erinnere mich noch an die Salzheringe, die dort immer zu kaufen gab, wenn der Gemeindiener mit seiner Schelle auf dem Fahrrad kam und dies lauthals verkündete. Manchmal war unser Büttel auch besoffen, dann nahm er nach seiner Verkündigung einen großen Anlauf und schwang sich mit schwingenden und pendelnden Bewegungen auf sein altes Fahrrad und fuhr mit großen Schwingungen bis zur nächsten Haltestelle. Die Heringe lagen im Laden eingesalzen in einem großen Holzfass und wurden beim Einkaufen in Zeitungspapier gewickelt. Überhaupt wurde alles in dreieckige Tüten aus braunem Papier verpackt. Ich musste jeden Tag in einen unserer Kolonialwaren Lädchen, um etwas zu besorgen, denn es gab ja keinen Kühlschrank und Vater brauchte öfters Zigaretten. Als Pfennig Wechselgeld, gab es für Kinder meistens rote Himbeerbonbons, aber ich mochte die nicht, denn davon bekam man eine raue Zunge. Unsere Dorf-Läden, waren das Facebook von damals, jeder der einkaufte, wusste etwas zu erzählen, auch wenn es manchmal Dorftratsch war.

Universal Werkstoff Zeitungspapier.

Zeitungspapier war überhaupt lebensnotwendig, denn Klopapier gab es nicht, und Sanftes schon gar nicht. Wir hatten ein Plumpsklo- und Zeitungspapier. Mein Bruder musste das Plumpsklo regelmäßig ausleeren und die Scheiße mit der Schubkarre irgendwo hinfahren. Ich musste regelmäßig Zeitungspapier in Quadratische handgerecht Stücke für das Klo, schneiden. Man sieht, wie wir Kinder damals schon für alle möglichen Arbeiten herangezogen wurden. Wir haben deshalb auch “schaffen” von klein auf gelernt. Anfangs wuschen wir uns immer in einer Schüssel wie es halt früher so üblich war. Dazu musste man aber zuerst Wasser holen und nach dem Waschen wieder wegtragen. Wenn wir beim Großvater auf dem Bauernhof waren, wusch ich mich morgens immer mit frischem, kalten Wasser des Pumb-Brunnens,”brrrrrrrr, war das saukalt”.

Wir bohren einen Brunnen.

Mein Vater hatte große Ideen, denn er wollte Limonade herstellen und im großen Stil verkaufen. Dazu brauchte man aber einen guten Brunnen. Also hat mein Vater einen gegraben oder graben lassen. Ich war dabei, ich habe zugesehen. Der Brunnen war ungefähr 2 m im Durchmesser und wurde 16 Meter tief durch den Sandsteinfelsen gegraben. Alles mit dem Pickel immer im Kreis herum. Mein lieber Schollie, diese Leute von damals, die konnten hart arbeiten. Als der Brunnen fertig war, war die Bahn frei für unsere vom Vater gebaute Wasserversorgung, mit eigener Elektropumpe und Riesen Kessel. Jetzt war Schluss mit Wasser holen. Deshalb, meint meine Frau, hätte ich bis heute nicht gelernt, sparsam mit Wasser umzugehen.

Unser Bad.

Jetzt bekamen wir auch eine Waschküche mit einem Becken aus Kunststein und einer Badewanne, sie werden es nicht glauben, eine Badewanne, ganz aus Beton, aber unglasiert! Ab jetzt mussten wir Kinder regelmäßig baden. Allerdings nicht, ohne vorher den Wasser-Kessel beheizt zu haben. Das heißt auch, Holz holen, Feuer machen und warten das Wasser warm war. Da gab es keinen bequemen Warmwasserhahn, der allezeit funktionierte. Um Wasser und Holz zu sparen, wurde das Baden wie folgt eingeteilt: Zuerst kam Vater, danach Mutter ins gleiche Wasser und danach in neues Badewasser mein Bruder, ich kam meistens zuletzt, was mich immer sehr geärgert hat. Das Baden war aber nicht so einfach. Haben Sie schon einmal in einer nicht glasierten Betonbadewanne gebadet. Der Beton war wie Schmirgelpapier, deshalb musste man immer zuerst aufstehen sich rumdrehen und dann wieder in die Wanne legen.

Mutters Waschtag.

Der moderne Fortschritt hat viele Dinge zuwege gebracht, davon einige unnötige oder sogar schädliche Dinge. Jedoch die Hilfsmittel zum Wäschewaschen für die Hausfrau sind wohl einige der größten Erfindungen der Neuzeit. Der Waschtag meiner Mutter fing ganz früh um 7 Uhr an. Zuerst musste sie den Wasch-Kessel anheizen, das hieß “Schpechtälä(“Kleinholz zum Anfeuern”) zum Anfeuern machen und Holz in die Waschküche tragen. Dann Wäsche sortieren, Geld und Werkzeuge aus den Hosentaschen der Männer entfernen. Dann Wasser in die Wanne füllen und die ganze Wäsche  darin vorweichen. Nun die Grobwäsche, mein Vater hatte ja oft ölige dreckige Schlosser-Anzüge zum Waschen gebracht, auf den Tisch legen mit Kernseife einseifen und den Saudreck mit der Wurzelbüste ausbürsten. Nun ging die Wäscherei erst richtig los, die ganze Wäsche in der Wanne mit Waschheber immer wieder bewegen und danach jedes Einzelstück auf dem Waschbrett ruppeln. Wenn alle Wäsche fertig war, musste Mama diese nochmals mit neuem Wasser klarspülen und dann vortrocknen durch Auswinden. Viele Kleidungsstücke waren damals noch aus reiner Wolle und musste deshalb vorsichtig einzeln extra gewaschen und zwischen Tüchern    getrocknet werden. Aber das war’s noch nicht, nun kam Folgendes: Die ganze Wäsche in den Garten         raustragen, aufhängen und die Bettwäsche zum Bleichen auf der Wiese auslegen. Das war der         kräftezehrende, Frauen kaputtmachende, Waschtag der früheren Jahre. Am Waschtag Abend war Mutter ziemlich erledigt. Die Bettwäsche auf der Wiese musste ich dann regelmäßig mit Wasser besprühen. Sobald es möglich war, hat mein Vater eine der neumodischen Wäscheschleudern gekauft dann ging es Mutter schon leichter.

Bei der Großmutter.

Die Mutter meines Vaters war für uns die “Großmutter” den Namen Oma kannten wir damals gar nicht, aber sie war so ähnlich wie Karel Gott’s “Babuschka”. Sie hatte immer Zeit für uns Kinder. Großmutter kam vom Beeghof einem ganz kleinen Dorf; am Rande der Frankenhöhe mit weitem Blick ins Hohenloher Tal. Großmutter hatte viele Sprüche drauf und redete Dialektwörter, die es heute gar nicht mehr gibt . Eines davon weiß ich noch, für Pfifferlinge sagte sie : “Rehli”. (“Pfifferlinge”) Wenn irgendetwas Überraschendes kam, sagte sie Ihren Hauptspruch: ”Potz Douti was Sach, Mazipan un Lebkuacha.” (“Menschenskind sind das hier viele schöne Sachen.”)Großmutter hat, genauso wie man sich eine Oma im Bilderbuch vorstellt, immer gestrickt. Aber wenn wir kamen und sie baten: ”Muattr komm, dämr Mühle spiela,(“Großmutter, komm wir spielen Mühle.”) hat sie aufgehört mit stricken und hat einen weißen Schuhkarton geholt. Auf den Deckel, malte sie dann mit dickem Zimmermannsstift die Linien des Mühlespiels. Nun kramte sie zwei Blechdosen hervor, in einer waren weiße Kleiderknöpfe und in der anderen Dunkle. Dann ging das Mühlespiel los, weiße Knöpfe gegen Schwarze. Meistens hat Großmutter gewonnen, und das, weil sie wusste, wie man eine “Fickmühle(Doppelmühle aus 5 ”Steinen) baute. Dann sagte sie immer, ich weiß noch, wie wenn es gestern erst gewesen wäre:” Mühl auf, Mühl zua, schmeiss i naus dei Kuha..” (“Mühle auf, Mühle zu, jetzt werf ich deinen Stein raus.”)

Es geht aufwärts.

Ab 1948 gab es das neue Geld, die zweite Währungsrefom in Deutschland. (Die dritte war die Einführung des Euros mit 50% Geldentwertung). Die Idee meines Vaters  Limonade zu produzieren konnte verwirklicht werden. Denn es ging aufwärts , wer findig war, mutig und fleißig brachte es, im Gegensatz zu heute, zu etwas. Wir kauften ein anders Auto, ein Lastwägelchen, eine Marke die niemand mehr kennt, einen “Rex” den durfte ich grün anstreichen. Ich schreibe extra durfte, denn es machte Spaß wie im Buch von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, wo Tom das Anstreichen seines Gartenzaunes für 5 Dollar verkaufte. Auch einen Gemüsehandel hatte wir vom Großvater übernommen, wir belieferten die Gegend ringsum mit Gemüse und Obst, das in unserer Gegend nicht wuchs. Ich erinnere mich, wir kauften eines Tage einen Eisenbahnwaggon voll Krautsköpfe. Die Bauern, kamen von weit her und ich verkaufte die Köpfe direkt aus dem Eisenbahnwaggon, der auf dem Bahngelände stand. Auch wir haben Sauerkraut eingemacht. Dazu gab es ein großes Tonfass und ich musste dann die Krautsköpfe mit dem Gemeindeeigen Krauthobel kleinhobeln. Zusammen mit Salz wurde das Kraut dann ins Fass gelegt und eingestampft. Einstampfen war mein Job und zwar barfuß mit den Füssen, im Kreis herumtreten. Zu dieser Zeit war Kraut noch das, was wir “Kraut’s(Amerikanisch: Die Deutschen) zu jeder Gelegenheit aßen.

Wir kauften auch in der ganzen Gegend Pfifferlinge auf, welche die Bevölkerung gesammelt hatte. Für ein Pfund gab's 40 Pfennige. Wer sich bei uns im Wald auskannte, konnte leicht 10 kg sammeln. Ich brachte es immer nur zu maximal 1 kg. Ich erinnere mich noch genau, eines Tages kam ein altes Weiblein, gut über 80 mit einer Schubkarre bei uns an, sie hatte darauf 4 große Spankörbe voll 1 a Pfifferlinge gesammelt. Da versteht man das unser Wald heute kaputt gemacht wurde, denn man findet heute im gleichen Wald keinen Pfifferling mehr. Unser Wald ist deshalb keinen Pfifferling mehr wert. Was helfen da Naturschutzgebiete und Bannwälder, wenn der ganze übrige Wald kaputt ist. Es ging dann mit dem Firmenaufbau meines Vaters Ruck Zuck weiter. Wir kauften alte ausgemusterte Brauereiabfüllmaschinen, die mein Vater bis spät in die Nacht wieder zum Laufen brachte. Anstreichen durfte oder musste ich, diesmal in weis. Dann weitete mein Vater als Sohn eines Jenischen Händlers, seinen Handel noch weiter aus. Es entstand einer der ersten Getränkemärkte. Heute gibt es solche Märkte an jeder zweiten Ecke. Unsere Fahrer belieferten mit 2 Hanomag LKWs die ganze Gegend mit Bier Limonade und Wein. Bei den vielen  Arbeiten, bei denen ich Vater und Mutter helfen musste, fällt auf das mein Bruder dabei nie auftaucht. Das kommt daher, das er intelligenter war als ich und in die Nachbarstadt ins Gymnasium fuhr deswegen und tagsüber kaum da war. Ich habe auch versucht das Gymnasium zu besuchen, aber es hat halt nicht gereicht. Was für ein Wunder, das ich diesen Artikel iberhaubt schreipen can.      

1946 bis 1954 Die Schulzeit.

In der Schule.

Es ist nicht zu bezweifeln, dass ich in der Schule war, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich da hineingekommen bin. Es liegt wohl daran, dass man sich die unbeliebten Dinge nicht gerne merkt. Es gab auch keine besondere Feier und eine Schultüte schon gar nicht. Aber an meine Ausrüstung, mit der ich zur Schule ging, kann ich mich erinnern, die kann ich beschreiben. Also, ich hatte einen eingehamsterten Schulranzen, der ganz aus Pappe war, das hat aber niemand bemerkt, denn er war mit grünem Stoff überzogen. Dann hatte ich noch eine Schiefertafel mit angehängtem Lappen. Rechen- und Lesebuch wurde von der Schule gestellt und jedes Jahr für die unteren Klassen wieder abgegeben. Wir hatten eben eine Schule, genauso wie bei Lehrer Lämpel. Die Griffel waren in einem Holzkasten mit einem modernen Schiebedeckel. Unsere Schule war mitten im Dorf, es war die gleiche Schule, in der schon meine Eltern und Großeltern gepaukt haben. Das Schulhaus war ein uraltes Fachwerkhaus, alle Treppen waren aus Holz und über die Jahrhunderte, ebenso wie die Fußböden, ganz ausgetreten und knarrten ganz entsetzlich. Aber die Schule hatte eine große Uhr und einen kleinen Glockenturm. Ab der dritten Klasse kann ich mich erinnern und erzählen, wie es in unserer bayerischen Volksschule so zuging. Wir hatten nähmlich (wer nämlich mit h schreibt ist dämlich) einen Lehrer der kam aus Ostpreußen und war als Flüchtling zu uns gekommen. Das Besondere daran war das er eigentlich Offizier der Artillerie der Wehrmacht gewesen ist und dort sein Bein verlor. Deswegen hat man ihn zum Lehrer umgeschult. Von Ihm haben wir in Bayern mehr über Ostpreußen gelernt, als über die Fränkische Schweiz. Er hat uns auch viele Preußische Sprüche gesagt wie z.B; “Ne jut jebratene Jans, is ne jute Jabe Jottes .” (“Eine gut gebratene Gans ist eine gute Gottesgabe.”) Er war ein typischer Vertreter unserer Elterngeneration, die den Krieg mitgemacht hat, und sehr zäh war. Denn als Lehrer musste unser Klassenlehrer doch viel vor der Klasse stehen. Das habe ich aber damals nicht verstanden genauso wenig, warum er oft sehr laut brüllte. Das hatte aber seine Ursache daran, dass er bei dem Geschieße der Anstellerei immer brüllen musste. Diesen Lehrer hatten wir jedenfalls in der 3. und 4. bis zur 6. und 7. Klasse. Wenn der Lehrer morgens den Raum betrat, mussten wir alle aufstehen. Das ging dann immer: “Tack, Tack, Tack, Tack...........,” weil nämlich unsere Sitze Klappsitze waren und dann kam es von uns wie eine Stimme : “Guten Morgen Herr Lehrer”. Danach folgte, was ich fürchtete, wenn es nämlich hies: ”Hausaufgaben raus...”

Ab der dritten Klasse mussten wir mit Tinte ins Heft schreiben. Damals war mit Tinte schreiben ein riesen Fiasko. Unsere Hefte hatte die Größe wie DIN A5 mit Zeilen oder Karos, allerdings auf ganz grobem Holzpapier. Oft, wenn man mit diesen superspitzen Brausefedern nicht aufpasste, stocherte man ein Stück Holz aus dem Papier und wupps gab es einen hässlichen Tinten-Klecks. Aber das war bei weitem nicht das einzige Problem, das beim Tintenschreiben auftauchte, nein, da waren diese verflixten Tintenfässer, die in die Schulbank eingebaut waren. Irgendwelche Leute oder böse Buben taten immer Dreck ins Tintenfass. Wenn man dann mit der Feder ins Fass stieß, stachelte man oft einen tintigen, dreckigen Klos herauf, und schon hatte man wieder einen hässlichen Tintenklecks. Diese Schwierigkeiten waren dem Lehrer aber egal, wenn man ein Diktat mit Tintenklecksen ablieferte, gab es immer den schlimmen Eintrag: “Du Schwein Note 4”. Zu unserer Zeit gab es immer sehr viel Hausaufgaben, und ich habe sie gehasst, denn sie haben mich von meinen wichtigen Betätigungen, dem Indianer-und Versteck-Spielen abgehalten. Deshalb war es bei vielen von uns Lausbuben üblich, dass wir die Hausaufgaben einfach vergaßen oder absichtlich nicht gemacht haben. Wir wussten aber schon vorher, was dann in der Schule passieren würde. Wir bekamen eine tüchtige Tracht Prügel. Dazu mussten wir uns über den Stuhl legen und dann gab es starke Schläge mit dem Stock auf den Hintern. Das hat uns nicht weiter gestört, oder weh getan, denn “Hah hah hah...” unser ““Preißischer” Lehrer wusste ja gar nicht, dass seine Schläge nicht durch unsere Lederhosen hindurchdrangen, denn diese waren starr und fest von jahrelangem Dreck. Bei uns war eine Lederhose, die nicht speckig und fest war, nichts Wert. Damals hatte jeder Bub seine Lederhose an. Wenn sie so wollen, die Lederhose war unsere Schuluniform. Im Laufe der Zeit  hat unser Lehrer aber die Sache mit den Lederhosen kapiert und deshalb gab es ab jetzt Tatzen mit dem Holzstock auf die Handfläche. Unser Unterricht fand inzwischen in einem ebenerdigen Nachbarsaal statt , der auf der hinteren Seite sehr große Fenster hatte. Draußen hinter dem Fenster wuchsen Haselnussbüsche mit schönen langen geschmeidigen Austrieben. Diese Hölzer eigneten sich ideal als Tatzenstöcke. Deshalb öffnete der Herr Lehrer von Zeit zu Zeit das Fenster beugte sich hinaus und schnitt sich einen neuen Tatzenstock ab. Das führte natürlich zu Maßnahmen unsererseits, “unsererseits”, das waren die faulen Lausbuben so wie ich. Deshalb schnitt ich kurzerhand alle für Tatzenstöcke geeigneten Triebe mit dem Taschenmesser weg. Ein Taschenmesser oder gar ein Fahrtenmesser, hatte zu dieser Zeit, jeder richtige Junge. Am nächsten Tag, kam dann das Drama, irgendeiner war wieder dran mit dem Tatzenkriegen. Also ging der Herr Lehrer zum Fenster, beugte sich hinaus und fluchte ganz jämmerlich auf Ostpreußisch: “ Wer hat dat jetan? Ihr verfluchte Bande, wer war dat, wer hat dat allet abjeschnitten?” Er machte ein rießen Geschrei mit seinem von der Artillerie trainiertem Schreiorgan. Er wurde immer heftiger und schrie:” Wer hat dat jetan? Melde dich du Feigling, du bist zu Feige um zu deiner Tat zu stehn.” Das war jetzt aber mir zu viel, denn vieles war ich, aber niemals Feige. Also hob ich den Finger und meldete mich. “Ich war’s”: Und nun kam die Überraschung, den des Lehrers Antwort war: “Aaah du warst dat, setz dich wieder hin.” Damit war die Sache vorbei, mein Mut hat den alten Soldaten wohl so gut gefallen, dass ich ohne Strafe davonkam. Strafe bekam ich viele, zum Beispiel musste ich eines Tages wegen irgendetwas, was ich vergessen habe, nach der Schule “Nachsitzen”. Das war eine schwere Strafe für mich, wenn alle Freunde draußen spielen und tollen, im leeren Klassenzimmer sitzen und schreiben. Wie ich da so eingesperrt war, blickte ich sehnsüchtig zum Fenster und bemerkte, das Spalierobst an seinen Befestigungshölzern bis zum Fenster wuchs. Höhe etwa 5 Meter über dem Boden, also nichts wie weg und schnell war ich am Spalierobst runtergeklettert. Am nächsten Tag hat es mich sehr gewundert, das nichts passierte, keine Strafe, kein schimpfen, nichts? Die schlimmsten Schulstunden waren die Kopfrechenstunden, denn ich konnte wohl Kopfrechnen, aber nur langsam, die ganze Sache ging mir zu schnell, so hatte ich damit viel Ärger. Die anderen Schulsachen habe ich eigentlich so nebenbei gemacht. Ich erinnere mich, eines Tages mussten wir als Hausaufgabe, des Schillers “Glocke”  lernen. Natürlich habe ich das, wie so oft, vergessen. Jetzt war guter Rat teuer. Als die Abfragestunde kam, kam auch die Lösung meines Problems, denn der Lehrer fing in der hintersten Sitzbank an und fragte jeden Schüler nacheinander ab. Jeder musste einen Vers der Glocke zu rezitieren. Da habe ich sofort gezählt und geschaltet: Also beim 6. Vers komm ich dran. Schnell habe ich mir den 6.ten Vers  eingeprägt und als ich dran war, runtergerasselt allerdings auch sofort wieder vergessen. Eine der schönsten Schulstunden waren die Singstunden. Zwei Lieder, die wir damals gesungen haben, singe ich auch heute noch. Wenn ich schlecht drauf bin, singe ich schon mein ganzes Leben lang, bis heute:

Wir sind jung die Welt ist offen......Bruder lass den Kopf nicht hängen, kannst ja nicht die Sterne sehen, vorwärts dringen, vorwärts drängen, wir sind jung und das ist schön..................

Wenn ich gut drauf bin und alles, wie am Schnürchen läuft, singe ich bis heute nach 60 Jahren:

Die Leineweber haben eine saubere Zunft, die harum die scharumm, die schrumm schrumm schrumm

Ob fein oder grob, gefressen wern’se doch von der Julle von der Schrulle, von der Schrumm, Schrumm schrumm.................”

 

Natürlich, sangen wir außerhalb der Schule vor allem Lausbubenlumpenlieder, bis auf drei habe ich alle  vergessen: “Freu dich des Lebens, Großmutter wird mit Sense rasiert, aber vergeben, sie war nicht eingeschmiert....” oder : “Zwei Jungen stiegen auf einen Baum, sie wollten einen Appel klauen,, sie fanden keinen Appel, der Baum das war ne Pappel.......” und: ”Unsre Oma fährt Motorrad, ohne Lampe ohne Licht und der Schutzmann an der Ecke sieht die alte Schachtel nicht....”

Nach dem Singen in der Schule, folgte oft der obligatorische Spruch, der inzwischen zur allgemeinen Redewendung geworden ist: “Gut im Singen, Lesebuch raus....”

Damals war die Schule nicht nur zum Lernen des Stoffes da, sondern auch zum Lernen von Tugenden und Verhaltensweisen. Zum, Beispiel: Fleiß, Höflichkeit, Mut usw. und es gab Betragungsnoten. Bei Betragen, hatte ich immer “gut” nur beim Fleiß war es anders. Na ja, lassen wir das Es geht ja niemand etwas, an was der Lehrer mir da ins Zeugnis geschrieben hat. Unsere Lehrer damals hatten vor jedem Schüler Respekt der ein richtiger und anständiger Kerl war. Seinen Hauptverhaltenslehrsatz, den er uns immer wieder einprägte, habe ich mein ganzes Leben nicht vergessen : ”Sucht euch eure Freunde aus, meistens sind es die bösen Freunde, die euch zu Untaten verführen.” An vielen Schulen mussten in der damaligen Notzeit die Schulkinder Heizmaterial selbst mitbringen. Bei uns war das nicht notwendig, denn wir hatten einen Sägemehlofen in der Schule, der mit übrig gebliebenem Sägemehl aus dem Sägewerk beheizt wurde. Aber ganz geheuer war der Ofen nicht, denn manchmal explodierte er und es erfolgte zu unserer Belustigung eine rießen Knallerei.

Unsere Spiele.

Das ganze Dorf und die Gegend im Umkreis von 3 bis 7km rings um unser Dorf, war unser Spielplatz. Wir spielten fast jeden Tag, entweder in kleinen zusammengeschweißten Kumpelgruppen, oder fast alle Dorfkinder zusammen, Große und Kleine. Auf dem Schulhof in der Pause bildeten wir alle, Buben und Mädchen zwei Gruppen, die einen waren die Wölfe und die anderen die Kinder, in einem Spiel genannt: “Wer hat Angst vor dem bösen Wolf”. Die Wölfe mussten die Kinder fangen. Wie überall auf der Welt, spielten wir damals auch Fußball, und zwar so, wie heute noch manchmal in Afrika, nämlich, mit Blechdosen. Zwei andere Spiele, ”Räuber und Schandarm” und “Schnitzeljagd”, gingen über Seitenwege durch das ganze Dorf.  Unser Dorf hatte damals nicht nur reguläre Straßen sondern auch noch jede Menge kleine Seitenwege, auf denen die Bauern schneller auf ihr Feld kamen. Einer dieser Wege ging über den Dorfbach, den musste man aber überspringen. Da dies einem Bauern aber nicht gefallen hat, hat er einen Stacheldraht am Bach endlang gezogen, und prompt bin ich da reingesprungen. Das gab eine große Wunde am Schienbein die wegen des rostigen Stacheldrahtes sehr schlecht zuwuchs, sodass ich 4 Wochen von der Schule wegbleiben musste und vom Bruchrechnen deshalb nichts mitbekam. Erst später bei der Fachhochschulreife, habe ich diese verflixte Mathematik kapiert, denn ein Achtel ist doch mehr als ein Viertel, oder? Ein anderes Spiel, das wir oft bis in die Nacht hinein spielten, war: “Kaiser, Edelmann, Bettelmann, Boxsoldat”. Da warf einer einen Tennisball auf den Boden, und wer den fing, konnte in der Spielhirarchie eine Stufe höher steigen. Und vor allen spielten wir normales Versteckspiel, wir nannten dies: “Pfui “. Alle versteckten sich und einer musste suchen. Wer gefunden wurde, konnte sich an einem Scheunentor Freischlagen. Wer das nicht schaffte, musste ab jetzt suchen. Bei den Bauern gab es lange Seile für die Heuernte, ein solches Seil banden wir an einer Seite an ein Scheunentor, an der anderen Seite hat einer das Seil geschwungen. Alle anderen Kinder sind dann mit dem Seil, und ins gesprungen Seil gesprungen. Im Sommer, wenn es sehr heiß war, saßen wir Buben manchmal nach dem Motto “nur nicht rühren” auf einem Holzstoß und schnitzen irgendetwas.

Einer unserer schönsten Spielplätze war zwar einige km entfernt aber um so schöner, das Tal des Flüsschens  Jagst. Durch den Fluss konnte man bis zu den Knien im Wasser waden und versuchen Forellen mit den Händen zu fangen. Ehrlich , ich habe nie eine Forelle erwischt. Aber einen Hecht habe ich auf Indianerweise gefangen. Der stand nämlich im tiefen Wasser einer Bachschleife unseres Dorfbaches, als wir dort gerade spielten. Wir beobachteten den Fisch eine Weile und der stand im ruhigen Wasser und rührte sich nicht. Da hatten wir eine Idee, wir banden ein Fahrtenmesser, jeder von uns Buben hatte als Grundausstattung ein Fahrtenmesser, mit Schnur, irgendeiner hatte immer Schnur in der Tasche, an einen Stock. Ich stieß dann von oben mit dem Messer zu und der Hecht war reif für die Pfanne. Ein anderer Spiel und Badeplatz war ein alter mit Wasser vollgelaufener Steinbruch. Leider existiert er heute nicht mehr, denn die Autobahn A6 wurde genau über ihn gebaut. Der Höhepunkt aller Spielaktivitäten, war das Heuhüpfen in einer Scheune vollgestopft mit frischem Heu. Es war damals so, dass jede Scheune einen Scheunendachboden und eine darunter liegende Heukammer hatte. Dazwischen war die Dachbodenluke zum Hochladen des Heus. Wir sprangen stundenlang mit Begeisterung immer ins frische Heu. Wenn man unten war, musste man über eine Leiter wieder hochklettern. Mein Schulweg war eigentlich nur 15min Gehzeit, aber ich habe oft mehr als eine Stunde gebraucht, denn da spielten wir schon wieder, Landstechen, Pfennigschieben und vieles andre mehr. Landstechen geht so : Zwei Buben spielen gegeneinander, man braucht einen dreckigen Platz, der noch feucht ist, aber schon fest. Darauf markiert man zwei nebeneinander liegende Felder.  Nun versucht jeder Junge das Feld des anderen abzuschneiden, indem er sein Messer in das Feld des anderen wirft, dort wo das Messer im Dreck stecken bleibt, wird das Feindesfeld abgeschnitten. Pfennigschieben geht so: Eine Menge Kinder, Buben und Mädchen spielen vor einer Hauswand, indem sie jeweils einen Pfennig von einer Markierung weg, zur Hauswand werfen, derjenige der seinen Pfennig am weitesten zur Wand bringt, darf dann alle Pfennige kassieren. Und dann waren da noch die vielen Indianerspiele, die ja alle Kinder überall spielen. Wir hatten dazu eine Methode gefunden uns indianergemäß, einzukleiden, denn wir nahmen Bauern-Judesäcke schnitten sie auf und machten Hosen daraus, die wir mit Franzen verzierten und Hühnerfedern für den Kopf, gab, es überall. Mein Indianername war : “Gelber Blitz ” >>> “Hugh..... ich habe gesprochen...” Entgegen aller Indianertradition, war unsere Hauptwaffe die selbsgebastelte Steinschleuder bestehend aus Astgabel und ausgeschnittenen Autoreifen-Gummistreifen. Alle Dinge, mit denen wir spielten, kosteten nichts, denn Taschengeld gab es kaum, ab und zu reichte es für eine Kugel Eis, die es am Sonntag in drei verschieden Sorten beim Bäcker gab. Dann waren meistens bis zu 20 Kinder vor dem Bäckerladen versammelt und schleckten ein 10 Pfennig Eis. Zu mehr reichte es damals nicht.

Wir machen Taschengeld.

Taschengeld auf die heute übliche Weise gab es nicht. Die meisten Eltern hatten wenig oder waren der Ansicht, dass wir Geldverdienen lernen sollten. Also haben wir viele kleine Dinge gearbeitet, und dabei einiges verdient. Zum Beispiel: Pilze sammeln und verkaufen, Vater beim Arbeiten helfen oder Kegelaufstellen. In einem unserer Gasthäuser, gab es eine jener uralten urigen Vollholz-Kegelbahnen mit Überdachung. Die Kegel stellten sich natürlich nicht automatisch auf, sondern ein Kegeljunge tat dies. Einer der Kegeljungen war ich. Für einmal aufstellen gab es zwar nur 5 Pfennige, aber so ein Kegelabend war oft sehr lang. Kegelaufstellen war richtige Arbeit und man musste höllisch aufpassen, das nach dem Aufstellen der Kegel schnellstens die Bahn verlies, sonst fuhr einem die Kugel auf die Füße. Ich erinnere mich das ich mir eines Tages vom Kegelgeld für 13 Mark ein paar neue Schlittschuhe, Marke “Gloria”, zum Anschnallen, gekauft habe. Es gab auch noch andere Möglichkeiten sein Taschengeld aufzumöbeln, etwa Kartoffelkäfersammeln oder Maulwürfe fangen. Dazu hatte die Gemeinde alle Kinder aufgerufen, denn Pestizide gegen den Kartoffelkäfer gab es noch nicht. Also liefen wir mit leeren Flaschen durch die Äcker und sammelten Käfer und deren Larven in die Flaschen. Wenn die Flasche voll war, konnte man sie an der Sammelstelle abgeben und bekam ein paar Pfennige, wie viel weiß ich nicht mehr. Genauso war es mit den Maulwürfen denn die Maulwurfplage war sehr groß, wahrscheinlich, weil Maikäfer und deren Engerlinge im Massen auftraten. Es gab bei uns Eichen, unter denen lagen Maikäfer als dicke Schicht auf dem Boden, sodass man kaum laufen konnte. Lange habe ich mich bemüht Maulwürfe zu fangen, aber im Gegensatz zu meinen Freunden habe ich nie einen Maulwurf in den Fallen gehabt, bestimmt habe ich irgendetwas falsch gemacht, denn es ist noch kein Maulwurfsfänger vom Himmel gefallen.

Winteraktivitäten.

Gemäß meiner Erinnerung waren die Winter auf der Frankenhöhe immer sehr streng, mit unheimlich viel Schnee, aber vielleicht fand ich die Schneeberge nur deshalb so hoch, weil ich noch so klein war. Jedenfalls war vor unserem Haus ein Hohlweg, der besonders im Februar vom Schnee völlig zu geschneit war. Motorisierte Räumfahrzeuge gab es damals nicht. Die Gemeinde hatte einen dreispitzigen Schneepflug, der so breit war wie die ganze Straße. Vorne wurden zum Schneeräumen 2 schwere Kaltblüter Pferde gespannt, die aber regelmäßig in unserem Hohlweg stecken blieben. Genauso blieben sie auf den Straßen zu den nächsten Dörfern stecken. Dann mussten die Männer alle raus zum Schaufeln. Manchmal waren die Straßen erst nach 2 Tagen wieder frei. Ich erinnere mich, das mein Vater manchmal, mit dem Auto am Abend nicht nach Hause kommen konnte und irgendwo übernachten musste. Für uns Kinder war der Winter ein Schneeparadies. Wir gruben Höhlen und Gänge in die meterhohen Schneewehen, bis wir völlig durchnässt waren. Denn wir hatten nur Schafwolle und Baumwollkleidung im Winter. Die nahm die Schneenässe solange auf, bis überall an den Hosen und an den Ärmeln Eiszapfen hingen. Wie gut und praktisch dagegen ist da heute die heutige Kinderkleidung. Die nassen Sachen wurden zu Hause an einen fächerförmigen Holzaufhänger direkt über den Ofen gehängt. Für alle Dorfkinder war Schlittschuh-laufen auf dem Weiher und Skifahren selbstverständlich. Skifahren natürlich ohne Lift. Unsere Ski waren die Sorte von Skiern, die heute im Museum zu sehen sind. Gewachste Allgäuer Eschenfestholzski mit Riemenbindung, die man während des Sommers spannen musste. Unser Abfahrtsberg lag etwa eine halbe Langlaufstunde vom Dorf weg. Natürlich gab es keinen Lift. Wir rannten den ganzen Nachmittag den Berg hoch und fuhren wieder runter. Wer nicht aufpasste, fuhr dabei in den Wald und musste die “Hinfallnotbremse” ziehen. Auch eine Schanze hatte wir aufgebaut und ich habe es sogar auf 18 Meter Sprungweite gebracht. Da wir während des Tages,  wegen des Skifahrens keine Zeit zum Schlittenfahren hatten, machten wir diese Gaudi am späten Abend. Bis nachts um 10 ratterten wir mit Geschrei und Juhu bei hellem Mondschein mit unseren Holzschlitten die gefrorene Dorfstrasse hinab. Wenn die Straße nicht richtig glatt war, schütteten wir heimlich noch Wasser auf die Straße. Für den Verkehr war das nicht so schlimm, den Autos kamen Abends keine mehr. Im Winter kam ich oft zu spät zur Schule oder nach Hause, den auf dem Schulweg gab es  ja so viele Möglichkeiten zum Eisrutschen. Bei diesen vielen wunderbaren Spielen, muss es für jedermann klar sein, das wir damals keine Zeit für Schul-Hausaufgaben hatten. Zeit hatte ich dagegen immer für ein Kindergebet, wenn die Dorfglocke am Abend dazu aufrief. ”Unser Vater im Himmel....

Kaugummi und Margarine Bilder und Briefmarken.

Meine Kindheit war die große Kaugummizeit, Kaugummi war amerikanisch und das war modern. Also haben wir gekaut, gekaut und gekaut. Wenn der Gummi dann ausgekaut war, hatten wir kein Geld für neuen Kaugummi. Also haben wir den ausgekauten Kaugummi unter dem Tisch “gepeppt” um ihn später, nachdem er in Zucker gelegt war wieder zu kauen, kauen, kauen....Kaufte man einen Kaugummi, so waren kleine Schwarzweisbilder von Schauspielern und Sänger, damalige “Stars” eben, beigefügt. Diese Bilder habe ich haufenweise gesammelt, das waren Namen wie Sabine Sinjen, Horst Buchholz und Rudolf Prack usw. Aber nicht nur diese, sondern auch die Margarinebilder. Für den Kauf von Sanella Margarine, gab's schöne bunte Afrikabilder von wilden Tieren und für die Resi Schmelz, gab es Bilder von der griechischen Geschichte, diese Bilder konnte man dann in ein Buch einkleben. Das Buch mit den Bildern von Resi,           Das Resi-Buch

habe ich heute noch, weil es ein gutes Geschichtsbuch war. 

Jeder Junge in meinem Alter hat damals Briefmarken gesammelt und die gab es Haufenwiese auf den alten Postkarten und Briefen der Hindenburg- und Ebert-Zeit. Vor Beginn des Schulunterrichtes, war immer Briefmarkentauschaktion, eine Hindenburg, gegen eine AM-Post und so weiter. Ich denke, ich hatte tausende, von vor allem deutsche, polnische und amerikanische Briefmarken. Die englischen Königinnen Marken hatte jeder. Eine Marke hatte ich besonders in mein Herz geschlossen. Es war eine große blaue Flieger-Marke mit einer JU 52 drauf:        

Lausbubenstreiche.

Als richtige Lausbuben in Lederhosen, haben wir natürlich immer wieder Lausbubenstreiche gemacht. Aber um das gleich klarzustellen, wir haben nichts kaputtgemacht und niemand größeres Leid zugefügt, lediglich so manchen unbeliebten Zeitgenossen ein bisschen geärgert. Unsere Streiche waren alle ein bisschen in der Art von Wilhelm Busches Lausbubenstreiche in “Max und Moritz” -Art. Wenn wir durchs Dorf rannten, gab es ein Haus, dessen Bewohner sich furchtbar aufgeregt haben, weil wir des Öfteren dort vorbeirannten und lärmten. Eines Tages schütteten deswegen die Hausbewohner eimerweise Wasser auf uns heraus. Das war eine Kampfes-Herausfordenung die wir Dorfbuben annahmen. Also, kamen wir am späten Abend zu dem Haus und übten Rache. Das Haus war recht alt und hatte noch Fenster wie ehedem, mit von außen eingegkitteten Scheiben. Das haben wir ausgenützt und bei Mutter eine Stopfnadel organisiert. Diese wurde mit Kontakt zum Glas in den Fensterkitt  gesteckt. Die Nadel hing an einem meterlangen Zwirnsfaden, den wir hinter eine Ecke zogen, sodass uns niemand sehen konnte. Dann ging das Gewitter los. Wenn man am Faden zupfte, schlug die Nadel ans Fenster, das Glas kam in Schwingungen und machte einen furchtbaren Lärm. Die armen Hausbewohner, sie sahen mehrmals nach, wo der Lärm herkommt und schimpften heftig auf die Saububen, die ihnen keine Ruhe lassen. Diese Zwirn-Methode haben wir des Öfteren auch zu anderen Anlässen, angewandt. Geärgert haben sich auch viele Leute, wegen eines anderen Zwirnsfadens. An dem hing nämlich ein Geldbeutel, der auf dem Gehsteig lag. Jeder der ihn sah wollte ihn natürlich aufheben und das Geld einsacken. Aber soweit kam es nicht, den wir saßen auf der anderen Straßenseite und zogen dem Finder den Geldbeutel weg, ätsch. Verärgert, gingen die Finder weiter. Später hatten wir eine andere Idee, wir liesen den Faden weg, stattdessen, füllten wir das Portmonee mit Hühnerdreck und legten es auf die Straße. Jeder der den Geldbeutel fand, öffnete ihn natürlich sofort, denn er wollte ja Geld sehen, und dann kam jedes Mal der Aufschrei: ”Pfui Deifl”. Da haben wir uns halb totgelacht. Eines Tage klettere ich beim Kühehüten aus lauter Jux auf einen jungen Baum. Ich glaub, es war eine Birke, die auf dem Nachbargrundstück stand. Überraschenderweise, kam der Baumbesitzer vorbei, und als er mich sah, wurde er wütend, nahm seine Peitsche und schlug nach mir hoch. Jetzt war bei mir guter Rat teuer, denn höherklettern ging nicht mehr, und hinabsteigen ging auch nicht, in meiner Not, sprang ich die 3 Meter hinab direkt auf den Bauern drauf, der wich vor Schreck zurück, und ich rannte weg. So geht es den frechen Buben, wenn sie auf fremde Bäume steigen. Natürlich haben wir auch, so wie es sich für Lausbuben gehört Kirschen, Äpfel, Birnen und Zwetschgen geklaut, klar, entschuldige ich mich heute dafür, doch leider sind die Geschädigten alle schon gestorben. Viele andere Streiche, die wir machten, habe ich nach 60 Jahren leider vergessen, wenn ich gewusst hätte das ich sie eines Tages niederschreiben würde, hatte ich sie damals alle notiert. Halt, da fällt mir noch ein so ein Ding ein: Also, eines Tages, es war im März, und wie immer, war unser Dorfbach die “Ampfrach” stark über die Ufer getreten, so das seine ganze Ach völlig überschwemmt war, und da hatten wir die Idee mit dem Kahn zu fahren. Einen Kahn gab es im ganzen Dorf nicht, aber der Bauer der dem Ufer am Nächsten lag, hatte in der Scheune einen Sautrog zum Schlachten hängen und das wussten wir, also kamen wir heimlich in die Scheune und trugen den “Kahn” auf’s Wasser. Und der Sautrog schwamm wirklich auf der Ampfrach mit zwei Matrosen an Bord. Nachdem wir genug hatten, trugen wir den “Kahn” wohlbehalten, aber durchnässt, heimlich wieder zurück in die Scheune.

Mein geliebtes Fahrrad.

Mein Fahrrad habe ich über alle anderen Dinge sehr geliebt und gebraucht. Mein Fahrrad war kein Mountainbike, kein Supersportrad und kein 7-Gang Tourenrad, nein sondern der Notzeit entsprechend, ein uraltes NSU-Ding total verrostet und klapprig. Aber es war stabil, es würde auch einem modernen Mountainbike alle Ehre machen, denn wir fuhren damals meistens über Feldwege, Schotterstraßen oder quer durch den Wald. Ich habe an ihm gelernt, wie man einen Schlauch flickt, und durch Nachziehen der Speichen das Rad justiert. Später kaufte ich ihm dann neue Schutzbleche und strich das ganze Ding schwarzgrün an. Ab dem zehnten Lebensjahr, ging es dann jedes Jahr im Sommer auf Radtour. Erst in die nähere Umgebung in die Nachbarstädte und danach auf große Jugendherbergs-Touren, auf die schwäbische Alb, an den Bodensee, und in den Schwarzwald. Damals hatte ich mich daran gewöhnt, ohne Gangschaltung Berge rauf und runter zu fahren denn man kann auch die Knie umschalten. In den 50 er Jahren gab es dann neue Fahrräder zu kaufen. Viele Schulkameraden hatten bald wunderbare, total verchromte schöne Edel-Viktoria Räder. Aber ich blieb meinem alten Vehikel treu. Bald darauf grassierte dann der Mopedvirus mit den “Vickis und Quicklis”, auch dieser Virus mich hat mich nie befallen, denn ich hatte ja meine alte NSU mit Kniescheibenzündung. Erst viel später, 1969 wechselte ich dann zum ersten Auto natürlich ein NSU-Prinz , tüt, tüt, tüt... Mit dem sind wir sogleich nach Österreich und die Großglockner Hochstrasse raufgefahren, bis das Öl im Motor gekocht hat und unsere NSU Höllenmaschine dort oben bis zur Abkühlung, stehen blieb.

Lernen wie Alkohol und Nikotin wirkt.

Kinder müssen alles lernen, auch den Umgang mit dem “Alkoooool”. Mein erster Kontakt mit Alkohol kam eigentlich überraschend, war aber harmlos. Mit einer Menge Verwanden und Bekannten, saß ich in der Stube und hörte zu, was die Leute so alles zu erzählen hatten. Mein Vater hatte neuen Most gemacht den durften alle probieren. Der Birnen Apfel Most schimmerte golden schillernd und verlockend, den wollte ich natürlich auch trinken und man lies mich. Wegen der vielen Leute, war aber kein Stuhl mehr da, und so musste ich mich auf den lehnenlosen Küchenhocker setzen, was mir zum Verhängnis wurde, denn nach einer halben Stunde wirkte der Most und ich hatte davon keine Ahnung. Plötzlich konnte ich mich auf dem Hocker nicht mehr halten und fiel “vom Hocker”. Da haben die Leute gelacht und mich auf’s Kannabee gelegt............ 

Bei meinem zweiten und vorletzten Rausch, den wir auch “Affen” oder “Ballen” nennen, klingt ähnlich wie “Ballermann”, fiel ich nicht vom Hocker. Diesmal war es Bier, das mich benebelte und ich hatte keine Ahnung wie Bier wirkt. Also, es war so, ich half einem Bauern beim Weizendreschen. Wer jemals dabei war, wie es staubt, wenn man mit einer Dreschmaschine Baujahr 1920 drischt, der kann verstehen, das ich nach der Drescherei in der Sommerhitze, beim Vesper tüchtig in die Bierflasche, im Frankenland gab es auch in den schlechten Zeiten immer Bier, geschaut habe. Ergebnis: Ein Affe war geboren. Da habe ich gelernt, dass man Bier nicht in Mengen zum Durstlöschen trinken darf. Für die nächsten Jahre war dann die Sauferei vorbei, erst viel später schon erwachsen lernte ich Weindrinken in Massen, bis es lustig wird, dann reicht's.

Auch das Rauchen habe ich probiert, mit verheerenden Folgen: Wir, 4 Lausbuben, wollten unbedingt wissen, wie Rauchen ist, und so sind wir in den Wald gegangen, und haben haben uns Zigaretten gedreht. Aber nicht aus MB-Tabak und Efka -Zigaretten Papier, nein, sowas besaßen wir nicht. Wir nahmen Zeitungspapier gefüllt mit trockenem Eichenlaub. Wir qualmten damit, was das Zeug hält und rauchten wie eine Dampflok. Aber danach war uns schlecht, ich glaube, in meinem ganzen Leben war mir nie mehr so schlecht wie vom den “Eichotin”. Diese Erfahrung war so drastisch, dass ich mein ganzes Leben keine Zigarette mehr gequalmt habe. Paff paff paff..........

Helfen auf dem Bauernhof.

Meine Großeltern mütterlicherseits hatten einen Bauernhof, auch dort habe ich einen Großteil der Kindheit verbracht. Obwohl es auf dem Hof eine “guate Stuwwä“, (“Wohnzimmer das man selten benützt.”) gab, spielte sich das meiste was in der Bauern-Wohnung geschah in einer großen Wohnküche ab. Zuerst war da ein riesen Herd, mit rußig schwarzen Kochplatten, die aus lauter Ringen bestanden. Die Ringe dienten dazu ein zum Feuer offenes Kochloch, zu vergrößern oder zu verkleinern, je nach der Größe des Topfes, der ins Feuer gehängt wurde, wurden Ringe entfernt oder hinzugefügt. Ich erinnere mich noch an ein großes schwarzes Waffeleisen, das direkt ins Feuer gehängt wurde, wenn Großmutter, die alle einfach “Muattr”     (“Großmutter”) nannten, Waffeln backte. Weiter stand da in der Küche neben Tischen und Stühlen auch noch ein schwarzer metallener Backofen mit einer großen Klapptüre und einer Feuertüre. Wenn Großmutter Brot backte, musste zuerst ein großes Feuer angezündet werden. Dazu wurden lange dürre Baumäste (“Backbriegel”) in den Ofen“ gelegt. Wenn die Äste brannten, gab es ein gleichmäßiges Feuer über den ganzen Backofen. Meistens hatte “Muattr” 10 große Leib gebacken. Für mich gibt und gab es kein besseres Brot als das Fränkische Roggensauerteigbrot von “dr Muattr”. Wie oft habe ich mir da einen Anschnitt in die Lausbuben Hosentasche gesteckt, um es unterwegs mit Genuss zu essen. Das Mehl zum Backen befand sich unter dem Dach in einer großen Mehlkiste. “Muattr” wachte über das Mehl, das da ja keine Mehlwürmer in die Kiste kamen. Vor dem Backen wurde der Teig für 10 Brote in einem großen Knettrog mit Sauerteig angerührt. Den Sauerteig, hat “Muattr”, nicht gekauft, sondern immer wieder selbst hergestellt, indem sie einen Teigrest einfach in die Luft stellte. Diese Küche war nicht nur zum Kochen da, sondern auch zur Aufzucht von Gänsen. Dazu wurden Gänseeier unter den warmen Herd gelegt, bis die Gänse ausschlüpften. Danach wurden sie mit Spinat aufgepäppelt. Wenn “Muattr” die Gänse rief “Hus, hus hus,hus”, kamen sie alle gesprungen. Nach den Gänsen, kamen die Hühner dran. Dazu wurde eine Glucke mit etwa 20 Kücken in der warmen Küche gefüttert, bis die Kücken groß genug waren. Als unsere “Muattr” überraschend verstarb, gab es viele Probleme auf dem Hof, den Großvater wurde krank. Da der Erbe des Hofes im Krieg gefallen war, musste meine Tante den Hof und die ganze Arbeitslast übernehmen. Das waren Folgen des Krieges, den viele Frauen zu tragen hatten, weil die Männer nicht aus dem Krieg zurückkamen. Und so kam es, das auch ich auf dem Hof helfen musste. Aber ich war noch viel zu klein für schwere Arbeit, aber beim Heu zusammenrechen, und Heuabladen habe ich immer geholfen. Manchmal gab es bei der Heuernte eine große Eile und sogar Hetze, nämlich dann, wenn der Heuwagen halb voll war und ein Gewitter am Himmel stand. Ich erinnere mich noch, eines Tages musste der volle Heuwagen schnellstens nach Hause gefahren werden, denn es begann zu regnen. Da war aber kein Schlepper, der ganz schnell nach Hause fuhr. Nein, wir hatten nur ein Pferd der musste den Heuwagen bevor der Weg kam, zuerst einen Hang hochziehen. Und fast wäre dabei der ganze Heuwagen umgefallen, wenn nicht alle Leute mit Heugabeln dagegen geschoben hätten. Meine Hauptarbeit bei der Ernte war das Beruhigen des Pferdes und vertreiben der Bremsen, wenn diese den armen Gaul in der Sommerhitze überfielen. Nie mehr in meinem ganzen Leben, habe ich solch große 3cm großen Bremsen gesehen wie damals bei der Heuernte. Ich glaube, diese Riesenbremsen sind ausgestorben, denn was sollen die auch mit  einem Schlepper anfangen. Auch das Abladen und Leerschaufeln der vollen Kartoffelwagen war meine Arbeit. Dazu wurden die Kartoffel vom Wagen auf eine Rutsche gegabelt von dort rutschten sie dann alleine durch ein Kellerfenster direkt in den Kartoffelkeller. Meine wichtigste Arbeit auf dem Hof, war aber das Kühehüten im Herbst. Da trieben fast alle Dorfbuben Kühe auf die Weide und es war immer sehr lustig. Manchmal waren die Weiden sehr weit von zu Hause weg, ich erinnere mich an eine Wiese, da musste ich meine 12 Viecher eine Stunde bis zur Weide treiben. Aber dort gab es einen kleinen Teich da spielte ich dann mit Wasserschnecken und Fröschen, denn die Kühe fraßen stundenlang in Ruhe ihr Gras, manchmal auch das der Nachbarweide und nur dann musste ich mit dem Stecken einschreiten. Das schönste in der Hütezeit war das Kartoffelfeuer, da wurden Kartoffel von Acker direkt in die Glut eines Feuers gelegt. Wenn die “Ebira(“Kartoffel”), dann schön schwarz waren, wurden sie vom Ruß befreit und gegessen. ”Mmmhhhhh”. Eine andere Wiese lag direkt neben dem Dorf-Gänseweiher da waren dann viele Kumpel beisammen: Ein Schulkamerad als Dorfgänsehirte mit den Dorfgänsen und lauter Schulfreunde. Zusammen haben wir dort im Weiher Fische gefangen und gleich gebraten. Beim Abendlichen Heimtreiben der Kühe, war es wie mit den Gänsen. Alle Gänse und ein Haufen Kühe liefen zurück ins Dorf und wie durch ein Wunder, wusste jede Gans und jede Kuh, wo Ihr Stall war. Die einen gingen links in ihren Stall, die anderen rechts. Wo die Vicher das so genau her-wussten?

Lesen, Lesen, Lesen.

Anders als heute, gab es zu meiner Kinder und Jugendzeit, kein Fernsehen, kaum Filme, kein Internet und keine Computerspiele. Aber wir haben gelesen und gelesen und.........gelesen. Von Tom Sowyer und Huckleberry Fin bis zu Tarzan und Karl May, haben wir alles verschlungen, was lesbar war. Aber ein Buch, hat mein ganzes Leben geprägt, ein Buch, das meinem Vater gehörte, nämlich Schellbachs Erfolgs Buch, mit dem er damals eine Nachkriegsmoral und Hoffnung für die Zukunft, für unser Land, beschrieb.

Link zu Oskar Schellbach

 

Und dann gab es da noch ein Buch, ein Buch, da ich nur zur Hälfte gelesen habe , dann wurde mir  schlecht. Es war die Zusammenfassung allen dessen, was die Siegermächte 1945 in den Konzentrationslagern vorgefunden hatten. Die eingefügten Fotografien waren so entsetzlich, das ich einfach nicht weiterlesen konnte. Leider habe den Titel des von den Besatzungsmächten herausgegeben Buches vergessen. Es ist heute verschwunden und leider nirgends mehr zu finden. Warum? 

Der Film kommt.

Aus der nahen Kreisstadt, kam jede Woche das fahrbare Kino zu uns. Da gab es dann Kino im Dorfgasthaussaal. Dazu hatte man in die hintere Außenwand des Saales ein Loch gemacht und ein Häuschen darum gebaut. Dort stellten die Dorfbuben die Filmgeräte auf. Dafür durften wir dann umsonst ins Kino. Durch das Loch in der Wand wurden viele damalige Filme gespielt. Ich erinnere mich an die Filme “Immenhof, Tarzan und den Schläger Eddi Constantin und vor allem Ganghoferfilme” wie z.B: Gaierwally.” Wir hatten auch einen Schulfilm, manchmal fiel der Unterricht aus, die Vorhänge wurden zugezogen und dann schnurrte die Filmmaschine. Bis auf unseren Lieblingsfilm, kamen alle Filme aus der Schulfilmstelle. Unser Lieblingsfilm, “der Hase und der Igel”  war aber Schuleigentum:

Basteln und Werken.

Jugend forscht sah damals ganz anders aus, denn wir hatten fast nichts, kaum Material, kaum Werkzeug und kaum Literatur. Angefangen hat meine Bastelei damit, dass ich von meinen Eltern zu Weihnachten ein Werkzeugset bekam: Laubsäge, Drillbohrer, Schraubenzieher, Hammer, Messer, Schneidezange und Kombizange. Die Kombizange, hat alle Stürme meines Lebens überlebt und nach 62 Jahren, habe ich sie noch und halte sie in Ehren. (Qualitätswerkzeug von damals). Zuerst wollte ich Laubsägearbeiten machen. Aber wo gab es 1947 für Kinder Sperrholzplatten? Ganz einfach, ich ging zum Nachbarn, der war Schreiner : “Grüass Gott Herr Kettemann, hewwe sie Sperrholzreste fir mie“ (Guten Tag Herr Ketteman, hätten Sie vielleicht einige Sperrholzreste für mich?”) der Nachbar hobelte gerade an einem Brett blickt mich freundlich an und sagte ”Wos wilscht denn machä? Ja aussechä “, (“Was fragen sie so dumm, aussägen natürlich.”) “doa nimmscht den ganzä Haufä miit”. (“Hier diesen unbrauchbaren Haufen, kannst du mitnehmen.”) Wir Dorfkinder waren überall als “Schnorrer” bekannt, denn wir hatten ja nichts und konnten auch nicht in die nächste Stadt fahren.

Die Erwachsenen haben uns Kinder im Frühjahr gezeigt, wie man aus Birkenrinde ein Pfeife schnitzt, indem man ein Stück von einem Weidenast abschneidet und die frische Rinde von Ast löst, ein Loch hineinschneidet und ein Mundstück dazu schnitzt...fertig: "fip fip fip".....

Das nächste Kinder-Projekt war : ”Schiffe schnitzen”, da gab es keinerlei Materialproblem, den wir schnitzen Schiffchen aus Lerchenrinde, und die gab es bei uns im Wald, wenn man wusste wo die alten Lerchen standen. Ich schnitzte wie “Michel aus Leneberga” und zwar eine Hansekogge. Mit kleinen Segelchen obendrauf, schwammen sie  ganz schön und ich war damit Seeräuber Störtebecker.

Das wichtigste, was gebastelt werden musste, war die Steinschleuder. Womit sollte man sich den verteidigen in diesem imaginären Krieg der Piraten, der durch die schwarze Piratenflagge angezeigt wurde. Steinschleuder bauen musste man lernen. Wer wusste, wie es ging, hat die Bauanleitung weitergeben. Erst braucht man eine handliche Astgabel, zwei 1cm breite Streifen Gummi vom Autoschlauch, ein bisschen Leder und Bindedraht, dann wurden diese geschnorrten Materialien zusammengebunden und das Wettschießen konnte beginnen. Aber diese Schleudern waren nicht ungefährlich es konnte damit vieles passieren, aber wir haben beim Steineschleudern aufgepasst.

         

  1.   1-Astgabel
  2.   2-Gummistreifen vom alten Aotoschlauch
  3.   3-Halteleder
  4.   4-Dünner Bindedraht
  5.   5-Kieselstein

 

 

 

Mein

 

 

Mein nächstes Projekt war der Bau eines Flugdrachen. Wer baut den heut schon noch selbst? Mein Drache war jedenfalls  sechseckig und aus Holzstäbchen aufgebaut. Überzogen war er mit Packpapier, das an die Stäbchen geklebt war. Aber kleben war das Problem, denn Klebstoff gab es nicht, es gab keinen Uhu, kein Pattex, und kein Tesa. Aber die Jugend forscht und hat herausgefunden, das Bio-Weizenmehl mit Wasser angerührt, Papier einigermaßen gut klebt. Der Drache hatte einen Schwanz aus einer langen Schnur, in die bunte Zeitungs-Papierstücke eingebunden waren und geflogen ist er auch.

Das nächste Projekt: Wir bauen ein Aquarium, aber womit? In einem Schuhkarton kann man kein Wasser einfüllen. Irgendeiner von den vielen Schulkumpeln hatte eine Idee, denn er hatte gesehen, dass im Sägewerk die Elektroinstallation erneuert wurde und die alten Batterien auf den Schrott flogen, aber da lagen sie nicht lange, den die Batteriegehäuse waren aus festem dickem Glas in einem Guss, und somit garantiert wasserdicht. Ich denke, es waren an die hundert Stück, die da lagen. Fast jeder Junge im Dorf baute daraus ein Aquarium, 50cm hoch 25cm tief und 30cm breit. Allerdings, vor dem Preis, da kommt der Fleiß, denn die Akkus waren voll Teer und der musste erst mal weggescheuert werden. Dann wurden Wasserpflanzen gesucht und kleine Fische gefangen, denn Warmwasserfische wie  “Gubis” und Co. aus dem Aquarienhandel, kannten wir nicht, wir mussten nehmen, was gerade da war: Weisfischen und Rotaugen. Und immer noch waren Schrottbatteriegläser übrig. Also haben wir auch noch Terrarien gebaut, alle möglichen Tierchen wie Grillen und Laubfrösche gefangen, und dort eingesetzt.

Das nächste Projekt war: Die Schmetterlingsraupenschlupfstadion. Da es in den Jahren meiner Kindheit viele Schmetterlingssorten und deren Raupen in großen Mengen gab, hatte ich eines Tages die Idee dicke und fette Raupen zu sammeln und mit Futterblättern in eine Zigarrenkiste zu legen. Dort haben sie sich verpuppt und sind tatsächlich als schöne Schmetterlinge ausgeschlüpft. Bald, wusste ich, welche Raupe zu welchem Schmetterling gehört. Die fertigen Falter habe ich dann fliegen lassen : Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz, Schachbrett und Nachtbär. Da muss man heute schon lange suchen, um diese Falter überhaupt zu Gesicht zu bekommen. (Schachbrett und Zitronenfalter habe ich gestern gesehen, aber Kaisermantel scheinen ausgestorben zu sein.)

Dann kam ein großes unvollendetes Projekt: Die Amis hatten nämlich bei Ihrem jährlichen Herbstmanöver eine 12cm große Linse im Wald, liegen lassen. Damit wollte ich einen Projektor für Tarzanfilme bauen. Dazu habe ich eine Tarzangeschichte auf Pergamentpapier gemalt und versucht diese als Film auf die Wand zu projektieren. Aber da ich von Optik, keinerlei Kenntnisse hatte, hat dieses Vorhaben nie funktioniert.

In irgendeinem Buch, habe ich gelesen, wie man einen Elektromotor baut. Den habe ich nachgebaut und der Motor ist wirklich gelaufen. Er hatte 1NS. Eine Nigrin Stärke NS, weil der Anker aus einer “Nigrin Schuhcremdose” bestand, aus der man den Anker ausschneiden musste. Dazu eine Stricknadel und Stecknadeln von Mama und etwas Stanniolpapier von Zigarettenschachteln. Papa spendierte eine alte ausgemusterte Autobatterie und auf dem Schrottplatz fand ich eine Autohupe. Aus der Hupe montierte ich den Magneten, der nun meinen Anker in Bewegung versetzte. Durch den Bau dieses Motors wurde ich mit dem der Elektrovirus infiziert, davon bin unheilbar bis heute im 78.ten Lebensjahr befallen.

     Der Nigrin Motor

  •      1-Schachtel aus Karton
  •      2- Anker ausgeschnitten aus leerer             Nigrin Schuhcrem-Dose
  •      3- Achse Stricknadel von der                   Mutter
  •      4- Stecknadeln von der Mutter
  •      5- Staniolpapier von                        Zigarettenschachtel
  •      6- Magnet ausgebaut aus                 Schrottautohupe
  •      7- Alter Autoakku

 

 

In den 40er Jahren hatten wir zwei uralte Mittelwellen Radios. Da konnten wir nur die zwei Ortssender “Radio Stuttgart” und “München” empfangen. Am Abend saß ich dort stundenlang und hörte Hörspiele, den Reuterjackl und den Hans Moser über Radio München. Dessen unvergessene Lieder kann ich heute noch auswendig.”Ja so dünn, dünn war die Leopoldin, wie a Streichhölzl, wie a Strickndadl, wie a Spinnwebn so dünn.....” oder : “Mei Feierzeig is a Patent , immer is des ´Radl hin, is des Radl wieder gut, is der Feierstein kaputt, is der Feierstein dan gut ist des Radl glei kaputt...” oder : “...und der Grossmutter Ihr Kaffehaferl hau i zam... .” Eines Tages hatten wir Besuch von einem Bekannten aus Stuttgart, der brachte ein neues Radio mit. Das hatte die neue Welle: ”UKW”. Der Bekannte brachte auch eine neue Antenne mit und sprach von: Dipol, Direktor und Reflektor. Da war mein Interesse geweckt, ich wollte diese Dinge alle wissen. Dazu schenkte mir mein Vater die alten Radios, die jetzt übrig waren. Den alten Blaupunkt, habe ich dann auseinander genommen und neu zusammengebaut. Schade, das ich diese Radios nicht mehr, besitze, die hatten so schöne urige Röhren wie REN1260 oder EF6. Später, in meinem Beruf als Elektronik Entwickler habe in 35 Jahren von diesen alten Dingen bis zu modernen Mikrochips ständig Neues gelernt. Da ich damals noch keine Ahnung von diesen Elektronik-Dingen, hatte kaufte ich mir mein erstes Fachbuch, von Heinz Richter im Franzisverlag. Mit dieser Anleitung ist es mir dann schon als Junge gelungen viele Radios und Geräte zu basteln. Später gab es dann im Franzis Verlag ein Buch mit dem Titel: “Die Funkberufe “. Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte war mir mein Berufsziel völlig klar. Ich will Radiomechaniker werden. Dazu muss es ganz deutlich sagen, um mein Berufsziel zu finden, hat die Schule absolut nichts beigetragen. Es war damals so ähnlich wie heute, zwischen Schule und Berufsleben klafft eine Lücke, die sollte man schließen, indem Schule und Ausbildung besser angepasst werden.

Gemeindarbeit, Nachbarschaftshilfe.

Damals war es noch üblich, das jede Dorffamilie 2 Wochen im Jahr für die Gemeinde arbeiten musste. Man nannte dies Hand und Spanndienste. Und so kam es, das ich 2 Wochen helfen musste, eine Straße zu bauen. Wir machten das Straßenbett, ganz ohne Maschinen und warfen dazu große Felsbrocken in das vorher gegrabene Bett. Diese großen Steine wurden dann mit dem Schlegel klein geschlagen und danach schaufelten wir Schotter darüber. Nun war unsere Arbeit beendet und die Straße wurde zum ersten Mal gewalzt und asphaltiert. In den 45 Jahren seit dieser Zeit, wurde dieselbe Straße noch oft asphaltiert und repariert, aber der Handarbeitsunterbau besteht bis heute. Eines Tages brannte des Nachbars Scheunendachstuhl infolge Blitzschlag aus. Und es war Heuernte, da hat das halbe Dorf geholfen, den Dachstuhl so schnell wie möglich zu reparieren. Da haben sich ganze Schlangen von Menschen gebildet, die die neuen Dachziegel weiterreichten. Gemendesolidarität war und ist in der Not auch heute noch ein Pfeiler der Gesellschaft. Überhaupt war die Dorfgemeinschaft damals viel enger, denn jeder kannte jeden und “Zugroasste(Neue zugezogene Leute) aus der Stadt gab es kaum. Wenn man sich traf, hat man irgendwie versucht ein Gespräch anzufangen, ein spezielles Gespräch zwischen Freunden, habe ich eines Tages belauscht :”Guata morrchä, ja lebscht du aah noch, du kerscht doch verschossä”, “wuä kummscht jetz du her, du Spitzbuä, du kerscht doch uffghengt.” (“Guten Morgen lieber Freund ich habe dich lange nicht gesehen,” “wo warst du die ganze Zeit, hoffentlich geht es dir gut.”)

 1954-1957 Die Lehrzeit

Die Lehrstellensuche.

Für mich war es ab dem 12.ten  Lebensjahr klar, ich will einen Elektroberuf ergreifen. Mein größter Wunsch, war es, wenn es möglich wäre, Radiomechaniker zu werden (Fernsehen gab es damals ja noch kaum.) Jedoch blieb meine und die Suche meines Vaters nach einer geeigneten Lehrstelle leider erfolglos. Also war mein Gedanke folgender: “Erst mal Elektriker lernen und später bei Gelegenheit umlernen.” Wir zogen also wieder los, um eine geeignete Lehrstelle zu finden. Aber die Suche in unserem ländlichen Raum war wieder erfolglos. Also suchten wir in der nahen Großstadt Nürnberg. Zu dieser Nachkriegszeit waren die Städte noch Großteils Ruinen-Halten. Jedoch fanden wir wirklich bald eine Elektrikerlehrstelle. Aber, die hat mir gar nicht gefallen, denn der Betrieb hatte eigentlich gar keine Werkstatt. Was wir sahen, war ein Bretterverschlag zwischen den Mauern eines zerbombten Hauses. Mein Vater meinte: “Doa regnet's ja nei, des wird nix, doa gehscht mer net nou.(“In diesen Schuppen regnet es rein, da gehst du nicht hin .”). Also fuhren wir wieder nach Hause. Sorgen, machte ich mir deswegen gar keine. Bald darauf, fand ich eine Lehrstelle als Elektriker im eigenen Dorf.

Die erste Lehrlingswoche.

Was meine Mutter mir prophezeit hatte, wurde war. Sie sagte immer zu mir: ”Du wirst dich noch umgucken, wenn du zur Arbeit musst.” Da war ich also nun auf der Arbeit, als 14jähriger Elektrolehrling und hatte keine Ahnung, dass der Lehrling der Stift ist, der zuerst mal die kleinen und ungeliebten Arbeiten machen muss. Alle waren dort in der Werkstatt zuerst einmal freundlich zu mir, man gab mir meine Werkzeuge und Verhaltensmaßregeln, wie ich damit umzugehen hatte. Dann schickte man mich mit dem Fahrrad zum Baugeschäft um einen Sack Gips zu holen. Ich kam also dort an, klingelte und rief aber niemand öffnete. Da ging ich einfach rein in die Lagerhalle. Dort lagen reihenweise dicke gefüllte Papier-Säcke herum. Ich nahm einen davon, legte ihn aufs Fahrrad und schob dieses die 500 m bis zur Werkstatt. Dort angekommen, legte ich den Sack in die Werkstatt. Der Meister sah sich den Sack an, dann mich und gab mir eine kräftige Ohrfeige und sagte:”Du Depp, das ist doch Kalk, kannst du Gips nicht von Kalk unterscheiden?” So hatte ich also meine erste Ohrfeige weg, und diese war nicht die Letzte. Naja Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Dann ging es ab auf die Baustelle, dort musste ich einen Kabelschlitz in eine Backsteinwand schlagen. Mit Hammer und Meißel natürlich, den außer einer uralten Bohrmaschine gab es keine heute üblichen Werkzeuge wie Fräser, Schlagbohrmaschine, Boschhammer Schrauber usw. Um 6 Uhr zum Feierabend waren mein nagelneuer blauer Anton, und Hände und Gesicht voll vom gleichen roten Backsteinstaub. Den ganzen Abend sah ich nur die Werkzeuge, die ich benützt hatte, vor meinem geistigen Auge. So ging es drei Tage, bis ich mich an die Arbeit gewöhnt hatte.

Am vierten Tag ging’s dann auf eine andere Baustelle. In einem alten Bauernhaus sollte eine Hoflampe  installiert werden. Der Meister sagte zu mir: ”Jetzt gehst du in den ersten Stock zum Schlafzimmer und schlägst neben dem Fenster mit dem langen Meißel, ein Loch durch die Wand.” Gleich machte ich mich voll jugendlichem Elan an die Arbeit und haute kräftig auf den Meißel. Aber es entstand kein Loch durch die Wand. Also schlug ich mit aller verfügbaren Kraft auf den Meißel. Plötzlich, ein Ruck und bums. Die Wand war durchbrochen. Stolz auf mein Erfolgserlebnis marschierte ich in den Hof um den Durchbruch zu begutachten. Aber oh weh, vier Quadratmeter Putz waren außen weggebrochen. Der Meister war schon da:” Du Depp man haut doch nicht drauf wie ein Idiot, wer zahlt das jetzt“? Und bums hatte ich eine Ohrfeige, die Zweite in dieser Woche. Naja Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das war Lehrgeld, und diese Sache sollte mir nicht mehr passieren. Nebenbei, bezahlt hat es die Versicherung. Mein Meister hatte trotz allem noch Vertrauen in mich und schickte mich am nächsten Tag in die Metzgerei, denn die Wurstmaschine lief nicht mehr und ich sollte den Motor abschrauben. Um an den Motor ranzukommen, musste man zuerst einen Getriebedeckel abschrauben. Das war zwar leicht aber der ganze Motorraum war voll von Wurstresten und stank wie die Sau. Also riss ich mich zusammen und reinigte den Getrieberaum, um überhaupt an den Motor ranzukommen. Als ich fertig war, gab mir der Metzger einen Ring Wurst und ich zog mit Motor und Wurst heimwärts in die Werkstatt. So ähnlich, ging es weiter bis zum Samstag Mittag, dann war endlich Feierabend, hatte ich gedacht, denn es jetzt hieß es :” Werkstatt aufräumen zusammenfegen und den Hof kehren.” Naja Lehrjahre sind keine Herrenjahre dachte ich, aber eigentlich war ich auf die ganze Lehre schon nach der ersten Woche sauer. Aber mein Vater sagte immer wieder: ”Was mer ougfange hat, des hält mer aa durch. (“Was man angefangen hat, das beendet man auch.”) Als folgsamer Bub, habe ich dann auch 3 Jahre durchgehalten.

Die Lektion, nichts verschlampen.

In dieser Nachkriegszeit, war gutes Werkzeug sehr teuer, und ich ging in den ersten Monaten meiner Lehrzeit sehr großzügig damit um. Es gab keine Baustelle, an der ich nicht irgendein Werkzeug verloren oder verschlampt hatte, was mir eine Ohrfeige und Standpauke nach der anderen eintrug. Und es half, etwa nach einem halben Jahr, hatte ich gelernt, auf mein Werkzeug achtzugeben und nichts mehr zu verlieren. Im Gegenteil, nun hatte ich ein neues Problem, ich brachte immer mehr Werkzeug mit nach Hause als ich mitgenommen hatte, eine Überreaktion, die ich bis heute nicht abgelegt habe. Also, sollten Sie lieber Leser eines Tages mit mir Zusammenarbeiten, hüten Sie Ihr Werkzeug, denn: Gelernt ist gelernt.

Beim Schmied.

Mein Meister schickte mich, den Elektro-Lehrling mit 14 zum Schmied: „Trag den Meißel zum Schmied, der soll ihn schärfen.“  Unser Schmied war um die 70 und ein Relikt aus Kaiser Wilhelms Zeiten, ich sagte zu ihm: „Der Massl ist stumpf, kennä Sie den scharf machä“? “Joa des kann i scho“. (“Dieser Meißel ist stumpf, könnten Sie den schärfen?” “Ja klar.”) Er legte den Meißel in die Glut der Esse und zog mit der linken Hand an der Kette des Blasebalges aus schwarzem Leder auf und ab, bis sogar sein “Kaiser Wilhelms Bart“  zu vibrieren anfing. Die rechte Hand hatte er dabei in der Hosentasche neben seinem Lederschurz. So zog er eine ganze Weile am Balg, bis die Luft durch die Kohlenglut fauchte und der Meißel zu glühen anfing. Plötzlich hielt er inne,  kramte mit der linken Hand in der Hosentasche und zog eine runde Schnupftabaksdose daraus hervor. Daraus nahm er zwei kräftige Briesen in jedes Nasenloch und zog sofort weiter mit der Linken am Blasebalg. Nach einer Weile kramte er in der rechten Hosentasche und zog ein übergroßes rotes Schnäuztuch daraus hervor. Dabei zog er mit der Linken immer weiter am Blasebalg. Mit der Rechten legte er das rote Schnäuztuch über das ganze Gesicht und schnäuzt sich zweimal so stark, dass die Funken flogen.”Haahaatschi, Haahaatschi”. Inzwischen war mein Meißel glühend rot. Er zog ihn mit der großen Schmiedezange aus der Glut und legte ihn auf dem Amboss. Dann schlugt er mit schwerem Hammer auf das Ende des Meißels. Dabei holte er sich neuen Schwung, indem er immer wieder daneben auf den Amboss schlug : „ bum-bum, bumm-bumm-bumm, bum-bum, bumm-bumm-bumm“: Das Ende des Meißels wurde davon zusehends flacher. Bis jetzt hatte unser Schmied kein Wort gesagt. Plötzlich sagt er :“ Jietzt duamern no härta“. (“So, jetzt müssen wir noch härten”) Er nahm den Meißel mit seiner Zange und steckte ihn in einen Eimer voll kaltem Wasser, der neben dem Amboss stand. Das glühende Eisen zischte, Dampf stieg auf. Dann sagte der Schmied: „So des hemr, des darfscht net zviel mache sonscht wirdr z,hart.“ (“So das ist geschafft, man darf nicht zuviel härten, sonst wird der Meißel zu hart.”) Dann nahm er den erkalteten Meißel, betrachtete ihn von allen Seiten, nickte mit dem Kopf und sagte: “Der is was worra jiez dammrn no schleifa“. (“Der Meißel ist ok, nun werden wir ihn noch schleifen”) Er ging zur großen Antriebswelle mit vielen Riemenrädern, die durch die ganze Schmiede lief und von einem einzigen uralten Motor angetrieben wurde. Dort warf er den Riemen der großen Sandsteinschleifmaschine auf die Welle und schliff meinen Meißel scharf. Nun gabt er mir den Meißel und meinte: “Sagscht deim Meischter an scheana Gruass der Massl hebt jietz a weil.“ Ich nahm den Meißel und sagte: “Ade“. (“Sage deinem Meister von mir einen schönen Gruß, der Meißel ist wie neu” ,“ Aufwiedersehen”)

schmiedxyopt

 

Regenerative Energie.

Bei uns im Dorf waren zwei große Sägewerke und in einem mussten wir eines Tages, neue Leitungen legen. Was ich dort sah, hat mich bis heute beeindruckt, denn was heute so modern scheint, nämlich seinen Strom aus der Umwelt selbst zu erzeugen war damals schon ein alter Hut. Der Strom im Sägewerk, kam nämlich durch eine riesige, uralte, schwarze Dampfmaschine, die auf einem Sockel montiert war, und mit Holzresten aus dem Sägewerk befeuert wurde. Die Dampfmaschine hatte ein großes Schwungrad von fast 2 Meter Durchmesser mit dem trieb sie über einen Antriebs-Lederiemen einen noch älteren museumsreifen Strom-Generator an, der, was heute so modern scheint, natürlich Gleichstrom ins Netz des Sägewerkes lieferte. Die ganze Anlage war rappelschwarz und sie lief wie eine Dampflok und rappelte laut. Jeden Mittag Punkt 12 Uhr und Abends um 5 pfiff sie wie eine Dampflok und jeder im Dorf wusste Bescheid, welche Uhrzeit gerade war. Aber Quarzuhrzeit war das nicht, denn es gab zwei Sägewerke im Dorf, und deren Dampfmaschine pfiff ebenfalls, aber meistens 5 Minuten später. Wer dadurch irritiert war, schaute eben auf die große Schuluhr, und die ging meistens eine Viertelstunde nach.

Der DKW brennt.

Zu jener Zeit, fuhr man mit jedem verfügbaren Auto, und wenn es noch so klapprig war. Mein Meister fuhr einen DKW Reichsklasse, einen Zweitakter mit Sperrholzaufbau. Mit diesem fuhren wir auf Montage in den Nachbarort. Dieses Auto fuhr eigentlich immer problemlos, mit seinem “Tack tack tack tack..Motor.”, obwohl es Öl verlor und überall furchtbar klapperte. Doch einmal ist es passiert, der Wagen hat uns verlassen, nicht das der Motor nicht mehr lief, nein nein, diesen klopfenden Zweitakter kriegte man nicht kaputt, sondern die Sperrholzkiste brannte, unten am Gaspedal, schlugen die Flammen hervor. In voller Fahrt mit 60 Sachen, bremste mein Meister plötzlich und schrie: “ Der’r Karre brennt “, (“Das Auto brennt”) wir stürzten auf die Schotterstraße (so waren alle Landstraßen damals) und waren einen Moment ratlos. Doch ganz schnell kam mir eine Idee, ich nahm den Elektriker Gipskübel aus dem Werkzeugkasten, rannte zum Straßengraben, füllte ihn mit Brackwasser und löschte ... zwei-dreimal... und der DKW war gerettet! Mein Meister war froh, denn das Auto war gerettet, denn ein Neues konnte er sich nicht leisten, und wir fuhren nach Hause, denn es war Feierabend..

Link zum DKW

 

Das Bauernvesper.

Damals war es noch üblich, das Handwerker Trinkgeld bekamen, oder zum Essen eingeladen wurden. Und so wurden wir, der Meister, der Geselle und ich der Stift, nach einem langen Arbeitstag vom dem Bauern an der Tauberquelle, bei dem wir schafften, zum Abendessen eingeladen. Das war uns gerade recht denn wir waren sehr hungrig, und es gab: Kartoffelsalat mit Gurken und Fleisch. Deshalb stürzten wir uns aufs Essen, der Geselle und ich merkten aber bald, das das Fleisch “Stiwwich- Fleisch” (Pökel- Fleisch) war. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn es nicht die unterste Schicht des eingelegten Fleisches gewesen wäre. Es war also der letzte Rest und roch auch schon. Der Geselle und ich, blickten uns an, und ohne ein Wort zu sagen, wussten wir: Dieses Fleisch können wir nicht essen.  Also schnitten wir das Fleisch klein und liesen Stück für Stück ganz schnell in der Hosentasche verschwinden, sodass es keiner merkte. Unser Meister merkte von dem allem gar nichts und as tapfer das stinkende Fleisch. Nach dem Essen fuhren wir, die Hosentaschen voller Fleischbrocken, mit besagtem DKW nach Hause. Unterwegs, ging es bald darauf los, und wir mussten die Fahrt stoppen, denn der Meister klagte jämmerlich : “Mir ist schlecht, oh is mir schlecht”. Es dauerte eine ganze Weile, bis er sein Fleisch im nahen Wald wieder loshatte und wir fröhlich und ein bisschen schadenfroh, nach Hause fahren konnten.

Montage-Werkzeuge gestern und heute.

Die meisten der jungen Leser, werden sich heute kaum vorstellen können, wie damals gearbeitet wurde. Ich habe ja schon geschildert, dass unsere Werkstatt sich in einer alten kleinen  Garage befand. Moderne Werkzeuge wie heute gab es nicht, deshalb musste man damals um so strenger arbeiten. Einen Akkuschrauber gab es nicht. Der Schrauber war unser Arm, auch wenn man auch 1000 Schrauben reinzudrehen hatte, der Arm musste das aushalten. Fischerdübel wie heute, gab es anfangs auch nicht, sondern wir schnitzen uns konische Hölzer, die wir in die Wand eingipsten oder einzementierten. Später kamen dann die ersten Schnurdübel auf. Aber leichter war das auch nicht, denn wie kriegt man ein 5-mm-Loch mit 3cm Tiefe in die Wand, wenn man keine Schlagbohrmaschine hat? Natürlich mit einem Handbohrer, mit der linken Hand dreht man den Bohrer und mit der rechten schlägt man mit dem Hammer auf den Bohrer und fertig ist die Schlagbohrmaschine. Nach 100 Dübellöchern in eine Betondecke verlässt dich die Kraft in den Armen! So etwas wie einen Schlaghammer oder Hiltihammer gab es auch nicht. Und die Maurer von damals haben die Hausdecken stur vollmassig betoniert, Kabelaussparungen mit Styropor gab es deshalb nicht. Kabeldurchbrüche durch Betondecken zu schaffen, war damals Lehrlingssache. Dieser musste mit Hammer und Meißel jeweils ein Loch durch die Decke schlagen und ich sag Ihnen, Beton kann verflixt hart sein. Um ein Loch durch eine 20-cm-Decke zu schlagen, habe ich manchmal Tage geklopft, gehämmert und geschwitzt. Diese Plagerei war jedoch nicht umsonst, denn da an diesem Beton, habe ich fürs Leben kämpfen gelernt. Die Lektion war: “Wenn es  auch noch so hart geht, weiter machen, dranbleiben, bis das Problem wegbröselt.” Das war eine Lektion fürs Leben.

Arbeiten auf dem Dach.

Das Schönste an meiner ganzen Lehrzeit, war das Arbeiten auf dem Dach, an den damals üblichen Freileitungen. Manchmal mussten wir auch mit Steigeisen auf hohe Masten klettern, um Drähte zu montieren, das hat mir mit meinem jugendlichen Übermut besonders gut gefallen. Vielleicht auch wegen der Zusammenarbeit, die bei diesen Arbeiten notwendig war. Wenn ein Monteur auf dem Dach war und ihm eine Zange oder Schlüssel fehlte, warf ihm ein anderer von unten, die fehlende Zange hoch, und mit etwas Geschick fing der Monteur oben, diese mit der rechten Hand auf, während er sich mit der Linken, am Mast festhielt. Das war Elektriker Akrobatik. Manchmal, wenn der Strom ausgefallen war, mussten wir auch im Winter aufs Dach und das war bei großer Kälte nicht “ohne” denn wenn man zu lange ohne Handschuhe an den Stahlmast fasste, klebte die Hand durch den Frost an den Mast fest. Wenn wir auf dem Dach arbeiteten, und ein schönes Mädchen unten vorbeilief, haben wir der gleich von oben nachgepfiffen. Das war die Elektriker Anmache. Denn so prüde wie manche behaupten waren die 50iger Jahre nicht, denn es wurden damals ja genügend Kinder geboren. Der Unterschied zu heute in dieser Sache ist: Es wurde damals die Liebe und Sex öffentlich nicht so breitgetreten. Heutzutage wird davon überall zu viel geredet und zu wenig gehandelt.

Mädchen werden interresant.

Aus denen die wir im Kindesalter geringschätzig mit ”die Weiber” bezeichneten, wurden im Lehrlingsalter plötzlich interessante Mädchen. Um auf diesem Gebiet voranzukommen, haben alle Schulkameraden und ich gleichzeitig einen Tanzkurs im Saal vom Dorfgasthaus belegt. Natürlich, Vater war dagegen: “Mit 15 bistcht’d noch viel’z jung”, (“Mit 15 bist du noch viel zu jung”) hieß es, aber nach langem Kampf, hat der gutmütige Papa endlich eingewilligt. Ab jetzt war am Wochenende immer was los, irgendwo waren wir immer auf einen Tanzboden, denn in Frankenland ist jedes Wochenende irgendwo “Kerwa”. (“Kirchweih”) Aber das war problematisch, denn unsere Klicke war erst um die 16, und unter 17 durften wir nicht länger auf dem Tanz bleiben als bis 22Uhr. Aber wir blieben trotzdem, und das gab Probleme, nein, nicht mit der Polizei, die kam, da gar nicht, sondern die älteren Burschen wollten, so wie es im Tierreich eben üblich ist, ihre Hackordnung durchsetzen. Eines Tages kamen sie deshalb auf uns zu, Typen wie im Film doppelt so groß wie wir, Gipser von Beruf, und wollten uns verdreschen. Da sollte man sich nichts Böses dabei denken, verprügeln im Wirtshaus war ganz normal, wir waren alle rustikal, eben wie im Film oder wie es in einem Frankenlied heißt.”An der Kerwa, will i meine Prigel hom, sonst Scheiss I in die Kerwa nei...”. (“An der Kirchweih, muss es eine Schlägerei, geben sonst taugt die Kirchweih nichts.”) Da habe ich meine Kenntnisse in japanischer Selbstverteidigung eingesetzt und einem von dem Typen mit dem Fuß in die Kniekehle geschlagen und gleichzeitig an der Brust umgestoßen. Da lag er auf dem Boden, schnell bin ich bin dann davongerannt. Damit war die Hackordnung richtig gestellt, und wir durften in Zukunft auf dem Tanzboden bleiben. Heute mit 78 und kann ich nicht mal mehr einen Sack Zement tragen, so ändert sich manches. Wenn damals  die Kapelle Enzian die Klarinetten jauchzen lies, dann liesen wir es bei Cola so richtig krachen: Schieber, Dreher, Walzer und dann kam der Buggy. Mein Vater hat uns einmal beim Buggy zugesehen und sagte: “Wie die Affen“. Manchen Schlager von damals, habe ich auch heute noch im Sinn, zum Beispiel: “Weißer Holunder blüht wieder im Garten....”  Ab und zu konnte man ein Mädchen zu Hause abliefern, aber außer Küssen is da nix passiert. Die Pille gab es nicht, und Vorsicht war geboten, auch beim Spaziergang im Wald.

Lohn und Arbeitszeit.

Damals konnte man keine großen Ansprüche stellen, der Lohn war gering und die Arbeitszeit war lang. Man musste froh sein, wenn man Arbeit hatte. Im ersten Lehrjahr bekam ich 20 DM im Monat, bei einer Arbeitszeit, nach dem Jugendschutzgesetz von 48h. Aber diese Vorschrift wurde nie eingehalten, außerdem galt das Aufräumen der Werkstatt nicht als richtige Arbeitszeit. Die Arbeit begann morgens 7 Uhr auf der Baustelle und endete regulär um 5 Uhr, meistens wurde es aber 6 -7 Uhr, manchmal auch 9 Uhr. Samstags war Nachmittag um 3 Uhr Schluss. Aber wir hatten normalerweise 1 Stunde Mittagspause. Im Durchschnitt arbeiteten wir 58 h die Woche das ist wesentlich mehr als eine 35 Stundenwoche. Im dritten Lehrjahr stieg der Lohn auf 100 DM im Monat bei 58h, das sind etwa 40PF/Stunde = 20Cent/Stunde. Zwei Pfund Brot kosteten damals etwa 80 Pf entspricht 40 Cent, was heute für etwa 4€ zu haben ist, also Umrechnungsfaktor =10.

  • Der Stundenlohn von 1957 von 20 Cent entspricht also einem heutigen Wert von 2€ pro Stunde.
  • Heute verdient ein Elektriker vergleichsweise 900€ in 35mal4 Stunden,
  • also 6,4 € pro Stunde.

Die Rentenbeiträge wurden ab dem ersten Lehrjahr im Alter von 14 bezahlt, was die Rentenanstalt aber später im Jahre 2000 als nicht gültig erklärt hat? Heute bin ich schon lange Rentner und kann nicht verstehen, wenn manche Leute auf der Rente der Kriegskinder rumhacken, denn wir haben dieses Land mit viel Schweiß aus Ruinen wieder hergestellt, modernisiert und auf Trab gebracht. Man muss dies verstehen, denn die technische Entwicklung und Modernisierung in Deutschland lag für 10 Jahre brach. Etwa ab 1955 begann eine große Aufholjagd auf allen Gebieten gegenüber dem Ausland, besonders Amerika.

In der Berufsschule.

Berufsschule war immer Klasse, da konnte man von der Arbeit ausruhen und überall gab's schöne Mädchen. Vor allem machte mir jetzt plötzlich, im Gegensatz zur Volksschule, das Lernen mehr Spaß als die Arbeit. Unser Berufsschullehrer hat das wohl gemerkt und sagte eines Tages zu mir:” Du bist unglaublich sorgfältig, es wäre schade, wenn du auf Montage bliebest, willst du nicht weiter lernen?” Da es Bekannterweise heißt:” Dem Ingenör ist nix zu schwör”, versuchte ich später auf der Fachhochschule natürlich Elektrotechnik zu studieren. Nach ein paar vermasselten Aufnahmeprüfungen, hat es schließlich geklappt. Nach 35 Jahren als Elektronik-Entwickler, vom ersten Auto-Telefon, Computer, Satelliten und Digital Radio,war ich dabei und bin jetzt schon lange in Rente.

Das Fernsehen beginnt.

Gerade zur Zeit meiner Lehre ging das Fernsehen, infolge des Krieges, 20 Jahre verzögert, in Deutschland los,  denn eigentlich war schon vor dem Krieg alles vorbereitet. Aber bei uns klappte es erst mal nicht, denn der nächste Sender war Hornisgrinde im Schwarzwald und von da kam kein Signal rein. Unser Meister und wir haben alle Anstrengungen unternommen um unser Dorf mit Fernsehen zu beglücken. So haben wir meterhohe Masten aufs Dach gestellt, mit 5stöckigen Antennen darauf. Und siehe da, plötzlich sah man zwischen viel Gries-Rauschen ein bisschen was. Bald gab darauf gab es dann einen Sendemast auf dem Hesselberg in Franken und nun fing auch in unserem Dorf das Fernsehen richtig an . Wenn dann irgendein Ereignis vom Fernsehen übertragen wurde, standen ganze Schlangen von Zuschauern, die noch keinen Fernseher hatten, vor den Radio-Läden, um zu gucken.  

Die Gesellenprüfung in der Irrenanstalt.

Ohne Abschlusszeugnis, wäre auch damals die Lehre nichts Wert gewesen. Besonders schwer war die Gesellenprüfung nicht, sonst könnte ich mich noch an sie erinnern. Erinnern kann ich mich allerdings noch an die äußeren Umstände der Gesellenprüfung, denn die praktische Prüfung fand in einer Irrenanstalt statt, heute ist das eine Psychiatrie. Dort unter dem Dach mussten wir Leitungen verlegen. Das war eigentlich nichts Besonderes, die Gesellenprüfung war gar kein Problem, aber die Insassen der Anstalt aber haben mich sehr genervt. Oft haben sie laut geschrien oder sind als Idioten überall herumgelaufen und haben Hampelmänner gemacht, so etwas hatte ich mit meinen 17 Jahren noch nie erlebt und so war die Elektrogesellenprüfung für mich auch noch eine zusätzliche große Lebensprüfung. Diese Prüfung habe ich während meines ganzen Lebens nie vergessen.

----------------------------vvvvvvv-----------------------------------

Ende der Nachkriegszeit-Erinnerungen eines Elektrikers. Retoure

July 2018 Siegfried Lechler 784

 

     Schnelldorfer Gedichte

Ach wär ich doch nochmal ein Bub. (in Westfränkisch-Rothenburgisch)

Auf D’r Stroäßä geäht a alter Mou,

ijetz bleibt er steah un denkt: “ Wuä willi denn nou?

Aah sou i geh grod in Lodä, hol Bretzä un Broad.

Ouh doa muaß i am Friedhof vorbei, noja bal bin i doad.

Hoffentlich leiches mi nit doa nei, doa fohrä mir zvill Auto vorbei.

Wann i doad bin, noa will i mei Ruah.

Ooh schee wärs, i wär nomol a Bua,

noa tät i im Dreeck rum riehrä,

und Hend noa and Ledderhousä nouschmierä,

dät wiä doamols a Safäkischtlä baue,

affm Schualhouf siasse Bluatbirnä klaue,

und an bleedä Segl verhauä,

doa tät i Nammittochs im Dorfweiher bodä,

un Obends Ebirä olodä,

dem Leahrer sei Tazesteckä vesteckä

un and’re dumme Streich ausheckä,

D’s Beechhoff a Schachtl voll Maikeffer kriagä,

 mittä ind’r Schuäl lass i’ diä nou fliäge,

tät mit’n Fohrrod uff Roatäburch nauf-tramblä,

d’s Cralsä ufm Volksfescht rumhamblä,

mit mein Vattr ibber’s Land  Fohrä un handlä,

und’s Schopfloch in diä Irma verlieäbä.....

.......Ja ijetzä wou will i eigentlich nou,

hobs ganz vergessä, bin halt a alter Mou.”

 

Bleedsinn drin din

In mein  Koupf is bloas Bleedsinn drin din;

d’Lehrzeit hat nix gholfä,

Heirotä hat nix gholfä,

Studierä hat nix gholfä,

40 Johr Ärwät hat nix gholfä,

In mein  Koupf is bloas Bleedsinn drin din,

un wall der nit vergäht,

schreib’in ijetz in’s Intrnet

 

D’r Muckäpatscher

Ohanä Muckäpatscher bischt verloorä,

d’ Muckä fliiechäd’r um’d Oohrä,

und Schnoakä schtechä die,

nem’n Muckäpatscher un mach’s hie.

Wenn’d Wefzgä kummä noa sich’sch road,

nem’n Muckäpatscher un mach’s doad.

Där teppäde Vouchl

Wos klopft doa an d’r Doochrinnä,

dass klappert un schepärd,

des is a Specht, der is ja teppäd,

deer suacht än Wurm im Bläech,

ijeetz isser wäech.

 

Luschtich un duschtich

Mir san luschtich,

un vor allä Dingä, duschtich duschtich duschtich,

Ijetz bin i scho 77 Johr,

 un noch so duschtich wiä i frieher wor,

a halbe Bier? Des kou’s nit sei,

doa gät noch vill mehr in mi nei.

 

Sunndooch d’r Telefoniterlesdooch,

Sunndochh is d’r Ouruferlesdooch,

doa telefoniert mei Fraa mit wem sie mooch,

vo ihrm Bruader vo Hall, doa klingelt’s morgends, bal

D’s Cralsä sin an Haufä Leit,

 diä muass mer ouruäfä heit.

in Ludwichsburch doa git’s a neis Kind doa muss mer telefoniereä gschwind

Vo Michelbach un so,

klingelt aa noch d’s Telefo,

D’s Nemberch unsr Schwächerin is a in Telefonbuach drin.

Mit d’r ganze Verwandschaft muass mer schwätzä,

M’r soll ja nett sei un nit hetzä,

In Anschbach is a alter Freind,

doa wird gschwätzt un a mol greint,

un in Vaihingä aa,

lebt a netter Mou mit Fraa,

doa wird telefonisch gratscht un gratscht.

Plötzlich um elfä kumd Fraa in’d Kich nei glatscht :

” Oh Leit,oh Leit,

 I muass doch aa noch kochä heit.”

S. L. 2016

adexx

Retoure